Vor 100 Jahren starb am 13. Januar 1906 in St. Petersburg der russische Physiker Alexander Stepanowitsch Popow. Er wurde am 17. März 1859 in Bogoslowsk (Gouvernement Perm/ Russland) geboren.
Popow erhielt eine gute schulische Ausbildung, so dass er im Jahre 1882 in St. Petersburg ein Mathematik-Physik-Studium aufnehmen konnte. Die ersten Anregungen zu seinen Forschungen erhielt Popow im Jahre 1890, als er an der Vorführung Hertzscher Versuche teilnahm.
Als Lehrer an der Schule für Minenwesen der russischen Kriegsmarine angestellt, nahmen Popow die mit seiner Lehrtätigkeit verbundenen Aufgaben zunächst voll in Anspruch. Doch dann stieß Popow beim Studium neuester wissenschaftlicher Werke auf die Veröffentlichungen des englischen Physikers David Edward Hughes (1831 - 1900) und des französischen Mediziners und Physikers Edouard Branly (1844 - 1940). Der von Branlyum 1890 beschriebene Kohärer (von dem lateinischen Wort cohaerere = zusammenhängen; derKohärer besteht aus einem zentimeterlangen Glasröhrchen, halbgefüllt mit Eisenpulver, dessen Metallkörnchen beim Auftreffenelektromagnetischer Schwingungen „verschweißt“ werden und dadurchihren Berührungswiderstand verringern) war später bei Popows Experimenten das wichtigste Bauelement seines drahtlosen Empfängers.
Weitere Anregungen gaben dann Popow im Jahre 1894 die von dem englischen Physiker Oliver Joseph Lodge (1851 - 1940) veröffent-lichten Aufsätze über die Hertzschen Experimente. Zudem stand Popow nunmehr als engster und zuverlässigster Mitarbeiter der Wissen-schaftler Pjotr Nikolajewitsch Rybkin (1864 - 1948) zur Seite. Die beiden waren schon stolz, wenn zwischen Sender und Empfänger die Wellen eine Entfernung von 30 bis 60 Metern überbrückten. Erst als ein Draht als Antenne ausgespannt worden war, vergrößerte sich die Übertragungsweite auf mehrere Kilometer.
Ein willkommener leistungsstarker und zugleich kostenloser Sender war der Blitz. Nach weiteren Verbesserungen gelang es Popow, seinen Apparat als Gewittermelder einzusetzen. Bei dem Popowschen Apparat wurden die Blitzentladungen auf einem Papierstreifen (ähnlich wie bei einem Morseapparat) aufgezeichnet. Durch diese Erfolge ermutigt, hielt schließlich Popow am 7. Mai 1895 seinen denkwürdigen Vortrag, bei dem er die erste drahtlose Verbindung der Welt öffentlich demonstrierte. Bereits am 24. März 1896 übertrug Popow im Physik-Hörsaal der St. Petersburger Universität vor einem Kreis von Wissenschaftlern über eine Entfernung von 250 Metern die Worte „Heinrich Hertz“, womit er diesem Forscher ein originelles „gefunktes Denkmal“ setzte. Es war das erste Funktelegramm, welches in der Geschichte der Menschheit empfangen wurde.
Die drahtlose Telegrafie bestand bald ihre erste Bewährungs probe, als im Herbst 1899 auf der Fahrt von St. Petersburg nach Libau (Liepaja/ Lettland) im Finnischen Meerbusen das Panzerschiff „Generaladmiral Apraxin“ auf Grund geriet und Popow den Auftrag zur Errichtung einer drahtlosen Verbindung erhielt.