Vor 100 Jahren wurde am 8. Februar 1906 in Seattle (Bundesstaat Washington/ USA) der US-amerikanische Physiker Chester Frederic Carlson geboren.
Die Abläufe im modernen Geschäftsleben, in den Institutionen der wissenschaftlichen und technischen Bereiche sowie bei den ver-schiedensten Verwaltungsvorgänge verlangten seit Jahrzehnten dringend nach einem zeitsparenden Kopierverfahren. Ein solches Verfahren sollte ohne besondere Matrizen, spezielle Chemikalien und eigens dafür ausgebildetem Fachpersonal anwendbar sein. Nach langjährigen Forschungen fand Carlson die dafür praktikabelste Lösung in Form des xerografischen Verfahrens, welches sich inzwischen weltweit auf allen kommunikativen Gebieten durchgesetzt hat.
Während bei dem auf Wärme oder infraroten Strahlen beruhendem als Thermofax bezeichneten Kopierverfahren die Vorlage durch das Kopiermaterial hindurch bestrahlt und die hohen Temperaturen im Kopiermaterial eine farbbildende Reaktion hervorrufen beruht das Xerox-Verfahren auf einer völlig anderen Grundlage. Mit dem Xerox-Verfahren läßt sich erstmals auf normales, unbeschichtetes Papier kopieren. Auf einer Trommel oder Platte im Gerät befindet sich eine Schicht des Fotohalbleiters Selen, dessen Eigenschaft - elektrischen Strom nur bei Helligkeit aber nicht bei Dunkelheit zu leiten - genutzt wird. Eine Hochspannungsanlage lädt diesen Selenbelagpositiv auf und macht ihn dadurch lichtempfindlich. Ein Spiegel überträgt das Bild der Vorlage als latentes Ladungsbild auf diese Schicht. Bei der Bewegung der Trommel oder Platte rieselt Entwickler auf das Ladungsbild, der aus einem feinen schwarzen Pulver („Toner“) und einem gröberen Trägerpulver besteht. Durch Reibung laden sich beide Pulver entgegengesetzt auf. Der Toner wird dadurch vom Ladungsbild angezogen. An ihm wird jetzt das ebenfalls aufgeladene Normalpapier vorbeigeführt, das nun das Tonerbild aufnimmt. In einer Hochspannungsanlage wird es entladen. Mit Hilfe einer Heizung wird schließlich das Tonerbild in das Papier eingebrannt.
Als Vierzehnjähriger musste Carlson bereits zum Unterhalt seiner erwerbsunfähig gewordenen Eltern beitragen. In den folgenden Jahren verdiente er sich die Mittel, um anfangs ein College und von 1927 bis 1930 das California Institute of Technology in Pasadena (California) zu besuchen. Danach arbeitete er für kurze Zeit bei der Bell Telephone Company in Boston (Massachusetts) und trat dann 1934 in New York City eine Stelle für Öffentlichkeitsarbeit in der Patentabteilung der Elektrofirma Mallory Company an. Sein Ärger über die Schwierigkeiten beim Vervielfältigen von Patentgutachten und Zeichnungen brachte ihn auf die Idee, ein schnell und sauber arbeitendes Kopiergerät zu entwickeln.
Ab 1934 beschäftigte er sich daher mit der Entwicklung eineselektrostatischen Verfahrens für die Vervielfältigung von Unterlagen, da fotografische und chemische Kopierprozesse sich zu aufwändig erwiesen. Nachdem er am 27. Oktober 1937 sein Xerox-Verfahren zum Patent angemeldet hatte erreichte er ein Jahr spätersein Ziel: Am 22. Oktober 1938 kopierte er in seinem New Yorker Labor die Zeichen„10-22-38 ASTORIA“ auf einem inzwischen gebauten Gerät auf Wachspapierals die erste xerografische (elektrofoto-grafische) Kopie von einem beschriebenen Blatt Papier.
Ab 1940 erhielt Carlson auf seine Erfindung noch weitere Patente erteilt. Trotzdem fand er in den nächsten vier Jahren keinen Hersteller für sein Gerät - über 20 Firmen lehnten die vorge-schlagene Aufnahme der Produktion von Carlsons Xerox-Gerät ab. Doch schließlich erreichte Carlson, dass er 1944 am Batelle Memorial Institute in Columbus (Ohio) - einer gemeinnützigen industriellen Forschungseinrichtung - seine Entwicklungsarbeitenfortführen konnte.
Schließlich fand Carlson im Jahre 1947 eine kleine Firma in Rochester (Bundesstaat New York) - die Haloid Company - die die Herstellungs- und Verkaufsrechte von Carlsons Erfindung übernahm. Aus diesem Betrieb entstand nach einigen Jahren als Mammutkonzern die Xerox Corporation. Elf Jahre nach Carlsons Firmeneintritt brachte die Xerox Corporation das erste Büro-Kopiergerät auf den Markt. Carlsons Lizenzgebühren, Rechte und Firmenanteile an der Xerox Corporation ließen ihn mit einem Vermögen von 50 Millionen Dollar zum Multimillionär werden.