Vor 150 Jahren wurde am 1. Juni 1856 in Wien der österreichische Physiker Ernst Lecher geboren.
Obwohl er sich in verschiedenen Wissenschaftsgebieten forschend betätigte, wurde Lecher insbesondere durch seine messtechnischen Untersuchungen der ohne Hilfsmittel für das menschliche Auge unsichtbaren elektrischen Wellen bekannt.
Lecherwar der Sohn eines Schriftstellers und Journalisten . Nach dem Besuch des Akademischen Gymnasiums in Wien studierte er anschließend Physik an der Wiener Universität. Den Abschlussseiner Studienzeit bildete 1879 in Innsbruck die Promotion zum Dr. phil.
Zunächst als Privatdozent für Physik lehrend, wechselte er 1882 wieder nach Wien zurück, wo er bis 1890 als Assistent am Physikalischen Kabinett der Universität forschte. Hier habilitierte er sich 1884 für Experimentalphysik. Während seiner wissenschaft-lichen Laufbahn wurden ihm von verschiedenen Universitäten Professuren übertragen -(1891 Universität Innsbruck, 1895 Universität Prag, 1909 Universität Wien).
Seine Forschertätigkeit begann Lecher um 1875 mit kalorimetrischen Arbeiten. Dem schlossen sich von 1880 bis 1883 Untersuchungen über die Absorption (das In-sich-Aufnehmen) von Wärmestrahlung an.
Als sich Lecher mit den Eigenschaften der von Heinrich Hertz (1857 - 1894) im Jahre 1886 entdeckten elektromagnetischen Wellen zu beschäftigen begann, gelang ihm seine wichtigste Erfindung - eine nach ihm benannte Anordnung zur Längenmessung elektrischer Wellen, die „Lecherschen Drähte“. Seine Experimente führte der Erfinder der „Lecherleitung“ auf dem im Herbst 1889 in Hamburg stattgefundenen Naturforschertag vor. Dort schloss er Bekanntschaft mit Heinrich Hertz, der sich von Lechers Vorführungen begeistert zeigte. Mit seiner 1890 in Wien veröffentlichten Arbeit „Studie über elektrische Resonanzerscheinungen“ wurde Lecher zum Begründer der Messtechnik im Hochfrequenzbereich. Mit seinem Messverfahren konnte Lecher erstmals die Analogie (Übereinstimmung) zwischen der Ausbreitungsgeschwindig-keit elektrischer Wellen und der Lichtgeschwindigkeit experimentell bestätigen. In seinen weiteren Arbeiten befasste sich Lecher sowohl mit elektrodynamischen Fragen (z. B. 1887 unipolare Induktion) als auch um 1905/06 mit der Erforschung thermoelektrischer Er-scheinungen.
In Anerkennung seiner Forschungsergebnisse im Jahre 1909 zum Leiter des ersten Physikalischen Instituts der Wiener Universität berufen und 1914 als Mitglied der Wiener Akademie der Wissenschaften aufgenommen, zwang ihn ein schweres Leiden im Oktober 1925 in den Ruhestand zu treten.