Vor 125 Jahren wurde am 2. Dezember 1881 in Bremen der deutsche Physiker Georg Heinrich Barkhausen geboren.
Die am Abend seines reichen, der Wissenschaft gewidmeten Lebens von Barkhausen gesprochenen Worte: „Ich habe das große Glück gehabt, in einer Zeit zu leben, in der die Elektronenröhre gerade das Licht der Welt erblickte. Zwanzig Jahre früher oder später geboren, hätte ich kaum an ihrem Siegeszug teilnehmen können. Selbstverständlich wäre dieser Siegeszug ohne mich genauso verlaufen“kennzeichnen so recht die Bescheidenheit dieses bedeutsamen Forschers und Hochschul-lehrers, dessen Name für alle Zeit mit der Entwicklung der Schwach-stromtechnik verbunden bleibt.
Als Sohn eines Landgerichtsdirektors geboren erwachte bereits als Gymnasiast sein Interesse für physikalisch-elektrotechnische Fragen. Im Jahre 1901 immatrikulierte sich Barkhausen an der Technischen Hochschule München. Die weiteren Studien setzte er an den Uni-versitäten Berlin und Göttingen fort.
Mit seiner 1906 vorgelegten Dissertation „Das Problem der Schwingungserzeugung mit besonderer Berücksichtigung schneller elektrischer Schwingungen“ promovierte Barkhausen an der Universität Göttingen. Die in dieser Arbeit niedergelegten wissenschaftlichen Erkenntnisse erregten in der Fachwelt beträchtliches Aufsehen, so dass sich 1907 die Firma Siemens & Halske Barkhausenin ihr Forschungslabor holte. Kaum dreißig Jahre alt, folgte Barkhausen 1911 dem Ruf als Professor an die Technische Hochschule Dresden. In der Folgezeit gründete er hier das erste Schwachstrominstitut Deutschlands.
Während des Ersten Weltkriegs arbeitete Barkhausen von 1915 bis 1918 im Kieler Laboratorium der „Inspektion des Torpedo- und Minenwesens“. Bei der Untersuchung von Elektronenröhren entdeckte er dort 1917 den nach ihm benannten Barkhausen-Effekt (Mit der Zunahme des erregenden Feldes ändert sich sprunghaft die Magnetisierung ferromagnetischer Stoffe), mit dem sich die Existenz von Elementarmagneten in ferromagnetischen Stoffen nachweisen läßt. Noch im gleichen Jahr entdeckte er gemeinsam mit dem Hochfrequenz-techniker Karl Schurz (1881 - 1960) die nach beiden Forschern benannten Barkhausen-Kurz-Schwingungen, deren praktische Nutzanwendung durch die nachfolgenden Richtfunkversuche bewiesen wurde. Die Barkhausen eigene exakte Beschreibung physikalischer Vorgänge stellte er in der „Barkhausenschen Röhrenformel“ (S × D × Ri = 1) unter Beweis. Diese Grundformel ist für die Berechnung und Konstruktion von Röhren und Verstärkern sehr wichtig.
Im Jahre 1918 kehrte Barkhausen wieder an die Technische Hochschule Dresden zurück. Ab 1920 beschäftigte er sich erneut mit Elektro-akustik. Sechs Jahre später entwickelte er einen Lautstärkemesser und führte als Maßeinheit der Lautstärke das „Phon“ ein (heute durch das Dezibel ersetzt : 1 phon = 1 dB).
Barkhausen veröffentlichte seine Forschungsergebnisse in einer Reihe von Standardwerken. Seine wissenschaftlichen Erkenntnisse gab er auf vielen Auslandsreisen weiter, die ihn unter anderem 1929 in die USA, 1930 in die damalige Sowjetunion und 1938 nach Japan führten, wo ihn die Studenten begeistert als „Vater der japanischen Schwachstrom-technik“ ehrten.
Als im Februar 1945 auch Barkhausens Institut der Vernichtung durch einen Luftangriff zum Opfer fiel, sah er zunächst sein Lebenswerk vernichtet. Mit neuer Zuversicht begab er sich aber im Juni 1946 wieder nach Dresden. Dort beteiligte er sich am Aufbau einer neuen Hochschule.
Für seine bedeutsamen wissenschaftlichen Leistungen auf dem Gebiet der Schwachstromtechnik wurde er mit einer Vielzahl hoher Auszeichnungen geehrt. Barkhausen gilt als der Wissenschaftler, der entscheidend zum umfassenden Einsatz der Elektronenröhre als einem der ersten aktiven Bauelemente beigetragen hat.