Vor 150 Jahren wurde am 26. September 1856 in Breslau (Wroclaw/ Polen) der deutsche Physiker Leo Graetz geboren.
Auch in der Elektrotechnik ist manches Problem effektiver lösbar, wenn zur gleichen Zeit zwei Wege statt nur einem einzigen benutzt werden. Sicherlich lagen diese Überlegungen auch dem Gleichrichter-Schaltungsvorschlag desPhysikers Graetz zugrunde.
Der Vater von Graetzwar Historiker und lehrte am Jüdischen Theologischen Seminar in Breslau.Nach seiner Gymnasialzeit begann Graetz 1877 an der Universität Breslau ein Studium der Mathematik und Physik, welches er nach Zwischenstationen in Berlin und Straßburg im Jahre 1880 an der Universität Breslau mit der Promotion zum Dr. Phil. abschloss. Danach arbeitete er von 1881 bis 1883 an der Straßburger Universität als Assistent.
Mit seiner Habilitationsschrift „Über die Wärmeleitfähigkeit von Gasen in Abhängigkeit von der Temperatur“ vom Jahre 1881 begann die Hinwendung von Graetz zur weiteren Erforschung der Wärmeleitung, Wärmestrahlung, Reibung und Elastizität. Nachdem er sich 1883 in München als Privatdozent niedergelassen hatte, beschäftigte sich Graetz nach 1890 mit Problemen der elektrischen Wellen, der Röntgen- und Katodenstrahlen. Im Zusammenhang mit seinen elektro-physikalischen Forschungen entwickelte er einen elektrolytischen Gleichrichter, die sogenannte Graetz-Zelle, und eine (ebenfalls nach ihm benannte) Zweiweg-Schaltung zur Gleichrichtung beider Halbwellen des Wechselstromes (die Graetz-Schaltung ist eine Gleichrichter-Brückenschaltung, bei der vier Gleichrichter als elektrische Ventile die Brücke bilden, an deren einem Diagonalzweig die Wechselstrom-quelle angeschlossen ist, während der andere Diagonalzweig den gleichgerichteten Strom führt).
Von 1893 bis 1926 als Professor an der Universität München als Hochschullehrer im Amt, trug Graetz mit seinen umfangreichen literarischen Arbeiten wesentlich zur Verbreitung neuester elektro-physikalischer Forschungsergebnisse im Kreise der Ingenieure und Mediziner bei.
In Erinnerung an die Forscherpersönlichkeit heißt seine einstige Wirkungsstätte heute noch „Graetz-Labor“.
Die unter seiner Mitwirkung nach 1928 gegründete Graetz GmbH (mit Sitz in Stuttgart und später eine Tochtergesellschaft der International Telephone & Telegraph Corporation ITT) war, besonders für die Rundfunktechnik, ein erfolgreiches Unternehmen der Elektronikindustrie.