Ein US-amerikanischer Fernsehtechniker (1906 - 1977)
Zum Gedenken an seinen 100. Geburtstag
Vor 100 Jahren wurde am 2. Dezember 1906 in Budapest der US-amerikanische Fernsehtechniker Peter Carl Goldmark geboren.
Mit seinem 1900 auf der Pariser Weltausstellung vorgestellten „Telegraphon“ hatte der dänische Ingenieur Valdemar Poulsen (1869 - 1942) zwar erstmals die Möglichkeit einer elektromagnetischen Tonspeicherung bewiesen. Die frühen Tonbandgeräte, wie z. B. das von Eduard Schüller (1904 - 1976) im Jahre 1935 erfundene „Magnetophon“, konnten jedoch nicht die komplizierten Signale speichern, aus denen sich ein Fernsehbild zusammensetzt. Eine Lösung dieser Frage gelang erstmals Goldmark.
Goldmark verließ einige Jahre nach Abschluss seines Studiums der Elektrotechnik an der Technischen Hochschule Budapestund dem sich anschließenden Erwerb des Doktorgrades sein ungarisches Heimatland, um sich in den USA eine neue Existenz aufzubauen.
In seiner neuen Heimat, in der ihm 1937 die US-amerikanische Staatsbürgerschaft verliehen wurde, nahm er als Diplomingenieur in New York City 1936 eine Forschungsarbeit im Laboratorium der Rundfunkgesellschaft Columbia Broad Casting System (CBS) auf. Bei der CBS begann Goldmark mit der Arbeit an einem 343-Zeilen-Farbfernsehsystem. Zwar noch im Versuchsbetrieb laufend, führte er erstmals 1940 dieses Farbfernsehsystem vor. Goldmarks erstes Farbfernsehsystem arbeitete nach folgendem Prinzip: Vor der Bildröhre der Aufnahmekamera drehte sich eine Scheibe mit drei Farbfiltern in der Reihenfolge rot, grün und blau. Dadurch erfasste die Kamera nacheinander je ein Bild in einer der drei Grundfarben. Vor dem Bildschirm des Fernsehempfängers drehte sich eine bedeutend größere Farbscheibe. Deren Drehbewegung wurde elektronisch so gesteuert, dass sie mit der Farbscheibe der Fernsehkamera synchron lief. Nachteilig bei diesem Fernsehsystem war jedoch, dass die damit übertragenen Farbfernsehsendungen mit den bereits vorhandenen Schwarz-Weiß-Geräten, die mit der 1937 in den USA eingeführten 525-Zeilen-Norm arbeiteten, nicht empfangen werden konnten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg verbesserte Goldmark sein Farbfernseh-system und stellte es auf die 525-Zeilen-Norm um. In Zusammenarbeit mit der Radio Corporation of America (RCA) zu einem voll-elektronischen System ohne großformatige Farbdrehscheiben weiterentwickelt, wurde es 1950 von der Federal Communications Commission zur Einführung vorgeschlagen. Es dauerte jedoch noch drei Jahre, bis es 1953 als neues vollelektronisches Farbfernsehsystem NTSC (= National Television System Committee) zur allgemeinen Einführung gelangte. Das NTSC-Verfahren war mit den bereits bestehenden Schwarz-Weiß-Fernsehverfahren kompatibel, d. h. koppelbar. Mit seinen integrierten Schaltkreisen in den Farbfernsehkameras fand das NTSC-System in den USA schnell eine umfangreiche Anwendung in der Industrie, in medizinischen Einrichtungen und in Schulen. Im Vergleich zur kommerziellen Aufnahmetechnik waren die vollelektronischen Fernsehkameras kleiner, leichter und einfacher zu bedienen und zu warten.
Goldmark führte 1948 die mit seinem Mitarbeiterkreis entwickelte erste Langspielplattenaufzeichnung in der Öffentlichkeit vor. Die LP (= long playing) wirkte sich für die Schallplattenindustrie revolutionierend aus. Arbeiteten die bisherigen Schallplatten, in ihrer Grundform 1887 von Emile Berliner (1851 - 1929) erfunden, mit 78 Umdrehungen pro Minute und 0,253 Millimeter breiten Tonrillen, so rotierte eine LP mit 331/3 Umdrehungen pro Minute und besass eine Tonrille mit einer Breite von nur 0,076 Millimetern. Auf einer LP ließen sich daher sechs Plattenaufzeichnungen der bisherigen Art in verdichteter Form unterbringen. Aufgrund dieses technischen Erfolges wurde Goldmark 1950 zum stellvertretenden Präsidenten der CBS-Gesellschaft ernannt.
Als nächstes Informationssystem entwickelte Goldmark für die US-amerikanische Weltraumforschung ein elektronisches Abtastsystem, mit dem die 1966 gestartete Mondsonde „SURVEYOR 1“12.150 fotografische Aufnahmen über eine Entfernung von 380.000 Kilometernvom Mond zur Erde übertrug.
Goldmarks besonders bedeutsame Erfindung war sein EVR-Verfahren
(Electronic Video Recording). Als magnetische Bildaufzeichnung (MAZ) wurde es in den USA dringend benötigt, um für das Fernsehen die Zeitdifferenz zwischen der Ost- und Westküste durch einenelektronischen Programmspeicher auszugleichen. Ursprünglich im Auftrage des US-Verteidigungsministeriums entwickelt und im Militärwesen eingesetzt, wurde das erste brauchbare Videobandgerät 1956 von der Ampex Corporation in Redwood (California) hergestellt. Die Bildsignale wurden anfangs auf einem 5,08 Zentimeter breiten Band gespeichert, das mit einer Geschwindigkeit von 38,1 Zentimetern pro Sekunde lief. Ähnlich wie beim Tonband wurden beim Videoband die Signale in einem mit Magnetpulver beschichteten Plastikband gespeichert. Die beim EVR-Verfahren benutzten unperforierten Bänder ermöglichten die elektronische Aufzeichnung von Fernsehsendungen, Filmen, Dias usw. in monochromer Form und die Einspeicherung von farbigen Informationen in kodierter Form zwecks elektronischer Wiedergabe auf der Fernsehschirmbildröhre. Erst 1968 erhielt Goldmark die Genehmigung, sein EVR-Verfahren der Öffentlichkeit vorzustellen. Bereits ein Jahr später brachte die japanische Firma Sony das erste Videokassettensystem auf den Markt, bei dem das Band (nunmehr 12,5 Millimeter breit) in einem Plastekästchen unter-gebracht war. Die in Videokassetten gespeicherten Informationen können seitdem mittels Recorder über jeden standardisierten Fernsehempfänger in Farbe oder Schwarz-Weiß wiedergegeben werden.
Goldmark wurde für seine Erfindungen vielfach geehrt und ausgezeichnet.
Er starb am 7. Dezember 1977 in Westchester County (Bundesstaat New York).