Vor 25 Jahren starb am 16. März 1981 in Starnberg (bei München) der deutsche Hochfrequenztechniker Theodor Jakob Joseph Schultes. Er wurde am 10. September 1901 in Berschweiler (Saarland) geboren.
Ohne den auf Wangerooge stationierten beiden Funkmessgeräten mit dem Decknamen „Freya“, welche Schultes entwickelt hatte, wäre der englische Luftangriff mit 24 Wellington-Bombern am 18. Dezember 1939 für die in der Wesermündung und vor Wilhelmshaven liegenden deutschen Kriegsschiffe gleich zu Beginn des Zweiten Weltkrieges zur Katastrophe geworden. In einer Entfernung von 110 Kilometern waren die Bomber von den „Freya“-Geräten bereits entdeckt worden; zwanzig Minuten später waren die ersten Jagdflugzeuge aufgestiegen und schossen 14 der englischen Bombenflugzeuge ab.
Als Sohn eines Sparkassendirektors geboren besuchte Schultes bis zur Reifeprüfung das Realgymnasium in Völklingen (Saar). Nach einem Jahr praktischer Arbeit bei den Röchlingwerken studierte er von 1921 bis 1926 an der Technischen Hochschule Darmstadt Elektrotechnik. Danach verblieb er bis 1933 als wissenschaftlicher Mitarbeiter an dieser Hochschule, an der er 1934 sein Doktordiplom erwarb. Mit seinem 1933 vollzogenen Wechsel zum Berliner Heinrich-Hertz-Institut für Schwingungsforschung setzte er dort im Folgejahr seine in Darmstadt begonnenen Akustikforschungen fort.
Entscheidend für Schultes Hinwendung zur Funkmesstechnik (nach 1945 als Radar bezeichnet)war im Juni 1934 sein Wechsel zu der Anfang des gleichen Jahres neu gegründeten Gesellschaft für elektro-akustische und mechanische Apparate (Gema), bei der Schultes die Leitung des Forschungslaboratoriums übernahm. In diesem Laboratorium arbeitete Schultes an der Entwicklung der ersten praktisch einsetz-baren Funkmessgeräte. Im Auftrage der Kriegsmarine und Luftwaffe entstand unter der Tarnbezeichnung De-Te-Gerät (Dezimeter-Telegrafie-Gerät) ein Funkmessgerät, welches Schultes mit seiner Forschungsgruppe am 26. September 1935 dem Oberbefehlshaber der Kriegsmarine erfolgreich vorführte. Das De-Te-Gerät arbeitete mit 82 Zentimetern Wellenlänge und 600-Megahertz-Impulsen. Als Empfangs-antenne diente eine Dipolfläche. Die erzielte Reichweite betrug rund 20 Kilometer. Daraufhin wurde im Sommer 1936 der Panzerkreuzer „Admiral Graf Spee“ als erstes Schiff in der Seekriegsgeschichte von der Gema mit einem 355-Megahertz-Geschützfunkmessgerät ausgerüstet.
Nach weiteren umfangreichen Versuchen entwickelte Schultes 1937 das Funkmessgerät „Freya“. Es arbeitete mit 240 Zentimetern Wellenlänge, war ortsveränderlich aufgebaut und erreichte gegen Flugziele eine Reichweite von rund 100 Kilometern. Mit seinem drehbaren Tannenbaum-Strahler als Antenne war das „Freya“-Gerät bis zur Mitte des Zweiten Weltkrieges das wichtigste deutsche Frühwarngerät. Zu Kriegsbeginn sicherten im Herbst 1939 acht „Freya“-Stationen die deutsche Nordseeküste (zwei auf Helgoland, zwei auf Sylt, zwei auf Wangerooge und je eine auf Borkum und Norderney). Um das „Freya“-Gerät auch bei zu erwartenden feindlichen Störungen betriebsfähig zu halten, wurde es für den Betrieb in drei Wellenbereichen zu 120 bis 180 Zenti-meter, 180 bis 240 Zentimeter und 240 bis 380 Zentimeter erweitert.
Als in Berlin die Siemens & Halske AG ihr „Wernerwerk“ für Funk-geräte aufgebaut hatte, übernahm dort Schultes von 1942 bis 1945 die weitere Entwicklung und Fertigung von Geräten der Funkmesstechnik. Das noch im Jahre 1942 entwickelte Funkmessgerät „Wassermann“ arbeitete zwar mit den gleichen Wellenbereichen wie das „Freya“-Gerät, besass aber dank einer zehnfachen Senderleistung mit einer auf 12 mal 50 Quadratmetern vergrößerten Antennenfläche mit einer Höhe von 60 Metern eine Reichweite bis zu 250 Kilometer. Eine weitere Erfindung Schultes von seinen über 50 Patenten war das 1943 konstruierte Panorama-Rundsichtgerät „Jagdschloss“, mit dem in einer Entfernung bis zu 150 Kilometer der elektronisch abgetasteteLuft-raum mit den georteten Flugzeugen auf einer großen Schautafel abgebildet werden konnte.
Da nach 1945 die weitere Radarforschung laut der vom Alliierten Kontrollrat erlassenen Gesetze für Deutschland zunächst verboten worden war, arbeitete Schultes die nächsten Jahre in einem Privat-laboratorium an der Lösung elektromedizinischer und elektro-akustischer Fragen. Von 1948 bis 1951 vorübergehend bei der Siemens-Tochterfirma Albiswerk Zürich AG in der Schweizbeschäftigt, kehrte er 1952 nach Deutschland zur Siemens AG in München zurück. Dort
arbeitete er bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand am Wiederaufbau der Funktechnik mit.