Vor 175 Jahren starb am 4. März 1832 in Fontainebleau bei Paris der Gelehrte Jean-Francois Champollion. Er wurde am 23. Dezember 1790 in Figeac/Lothringen geboren Bei dem Versuch, 1798 Ägypten zu erobern, wollte Napoleon Bonaparte (1769 - 1821; von 1804 bis 1814/15 Kaiser von Frankreich) als eines von vielen kulturhistorisch wertvollen Beutestücken den nach seinem Fundort, einer Hafenstadt im westlichen Nildelta, benannten „Stein von Rosette“ nach Frankreich entführen lassen. Das Original mussten jedoch die Franzosen nach der verlorenen Seeschlacht vor der ägyptischen Küste bei Abukir an die siegreichen Engländer ausliefern, die es in ein Londoner Museum brachten. Auf diesem Stein, der später Champollion als der entscheidende Schlüssel zur Entzifferung der Hieroglyphen diente, war ein Dekret ägyptischer Priester an ihren Pharao Ptolemaios V. Epiphanes (204 - 181 v. Chr.) aufgezeichnet. Zum Glück für Champollion war es in drei Sprachen abgefasst: Griechisch, Demotisch (altägyptische Schrift) und Hieroglyphisch. Somit war dem Sprachforscher ein Bedeutungsvergleich möglich. Als Sohn einer wohlhabenden Familie geboren studierte Champollion schon in jungen Jahren an der Universität Grenoble ägyptische Geschichte, alte Sprachen und Schriftsysteme mit dem Ziel, die ägyptischen Hieroglyphen später einmal zu entschlüsseln. Für ihn war von Vorteil, dass er bei Wissenschaftlern studieren konnte, die Napoleon Bonaparte auf dessen Ägyptenfeldzug von 1798 begleitet hatten. Bereits als Sechzehnjähriger veröffentlichte Champollion an der Grenobler Universität im Jahre 1806 seine erste wissenschaftliche Abhandlung. In diesem Werk legte er dar, dass das Demotische eine mit griechischen Buchstaben geschriebene ägyptische Sprache ist.
Für die folgenden Jahre begab sich Champollion nach Paris, wo er 1807 in einem Museum auf einen Abdruck des für seine weiteren Forschungen so überaus wichtigen „Steins von Rosette“ stieß. Im Jahre 1809 nach Grenoble zurückgekehrt, unterrichtete er, mit 22 Jahren zum Professor für Geschichte ernannt, am dortigen Lyceum. Es dauerte jedoch noch mehrere Jahre, bis er 1821 erstmals über eine Entzifferung der Hieroglyphen an Hand der dreisprachigen Inschrift des „Steins von Rosette“ berichten konnte. Zugleich erbrachte er den Nachweis, dass die Hieroglyphenschrift keine symbolische sondern eine Lautschrift ist. Diese bedeutsamen Erkenntnisse fasste er in dem am 27. September 1822 erschienenen Beitrag „Lettre á Mr. Dacier“ zusammen. Dem folgte bereits 1824 unter dem Titel „Pr?cis du syst?me hi?roglyphique“ ein Abriss des hieroglyphischen Schriftsystems. Seine Ausführungen erwiesen sich trotz mancher Irrtümer in der Hauptsache als richtig. Durch die Enträtselung der bislang von Geheimnissen umwitterten Pharaonenschrift war Champollions Name auch seinem bourbonischen Herrscher Karl X. (1757 - 1836; französischer König von 1824 bis 1830) bekannt geworden. Im Auftrage seines Königs besuchte Champollion im Jahre 1824 die italienischen Museen, um die dort zusammengetragenen ägyptischen Funde zu studieren. Das dabei gewonnene Wissen kam ihm bei der nach seiner Rückkehr aus Italien erfolgten Berufung zum Direktor des Ägyptischen Museums im Pariser Louvre zugute. Mit der Teilnahme an einer Forschungsexpedition nach Ägypten im Jahre 1828 erwarb sich Champollion weiteren wissenschaftlichen Ruhm, so dass ihm der 1831 am Coll?ge de France in Paris eigens für ihn gegründete Lehrstuhl für Ägyptologie übertragen wurde. Leider konnte er jedoch sein Amt nur ein Jahr lang ausüben.