Ein ungarisch-amerikanischer Mathematiker (1903 - 1957)
Zum Gedenken an seinen 50. Todestag
Vor 50 Jahren starb am 8. Februar 1957 in Washington (District of Columbia) der Mathematiker und Informatiker Johann Ludwig von Neumann. Er kam am 28. Dezember 1903 in Budapest zur Welt. Als Sohn einer adligen Bankiersfamilie geboren beschäftigte sich Johann Ludwig von Neumann (sein vollständiger Geburtsname lautete János Ludwig Neumann von Margitta) bereits als Elfjähriger mit schwierigen mathematischen Fragen. Sieben Jahre später veröffent-lichte er seine erste mathematische Abhandlung über die Lage der Nullstellen gewisser Minimalpolynome. Von 1921 bis 1925 studierte er zur gleichen Zeit an den Berliner und Budapester Universitäten Mathematik und an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich Chemie. Nachdem Neumann 1926 an der Budapester Universität den Grad eines Doktors der Mathematik erworben hatte lehrte er von 1927 bis 1929 als Privatdozent in Berlin und Hamburg. Ein Jahr später setzte er seine Lehrtätigkeit in den USA als Gastdozent an der Universität Princeton (New Jersey) fort. Die sich in Europa abzeichnenden politischen Veränderungen veranlassten Neumann, 1931 in die USA auszuwandern. Nach Erhalt der US-amerikanischen Staatsbürgerschaft im Jahre 1937 nannte er sich nunmehr John von Neumann. 1933 folgte er einem Ruf als Mathematikprofessor an das in Princeton neu eröffnete Institute for Advanced Study. Mit dieser Hochschule blieb er bis zu seinem Tode verbunden. Auf mathematischem Gebiet leistete Neumann zahlreiche herausragende Arbeiten, so B. zur Spietheorie, zur Mengenlehre und zur Entwicklung der nach ihm benannten Neumann-Algebra. Nach 1939 war Neumann zusätzlich als technischer Berater für das Verteidigungsministerium tätig. In dieser Position übte er im Zweiten Weltkrieg einen starken Einfluss auf eine Beschleunigung der in der Atomphysik geführten Forschungen aus, die zur Entwicklung der Atombombe und nach Kriegsende zur Wasserstoffbombe führten. Eng damit zusammenhängend war er von 1945 bis 1954 als Direktor des Institute for Electronical Computer Projects eingesetzt. Die anschließenden Jahre forschte er als namhaftes Mitglied der Atomic Energy Commission (AEC). Besondere Beachtung verdient Neumanns Anteil an der theoretischen und konstruktiven Entwicklung elektronischer Rechenanlagen. Er war in den USA der erste Mathematiker, der sich mit der Idee eines speicherprogrammierten Rechenautomaten beschäftigte, der selbsttätig logische Entscheidungen über Programmabläufe treffen konnte. Seine 1944 begonnenen Entwürfe des Großrechners EDVAC (EDVAC = Electronic Discrete Variable Automatic Computer) vollendeten 1952 die beiden Computerpioniere John Presper Eckert (1919 - 1995) und John William Mauchly (1907 - 1980) mit dem Bau dieser Anlage. Bei diesem Rechner wurden sowohl der Programmablauf als auch die zu verarbeitenden Daten codiert in dem Computer gespeichert. Das aus einer Folge von Einzelbefehlen bestehende Programm enthielt bedingte Befehle, die Rückwärts- und Vorwärtsverzweigungen ermöglichten. Jeder Programmbefehl konnte von dem Computer selbst wie jeder andere Operand ver-ändert werden. Mit dieser Arbeitsweise war der EDVAC allen damaligen Rechenanlagen mit fest verdrahteten oder auf Programmtafeln gesteck-ten Programmsteuerungen weit überlegen. Die mathematischen Forschungen Neumanns trugen in den USA wesentlich zum Bau der ersten röhrenbestückten Rechner ENIAC (ENIAC = Electronical Numerical Integrator and Calculator) und MANIAC (MANIAC = Mathematical Analyzer Numerical Integrator and Calculator) der 1945 beginnenden ersten Computergeneration bei. Noch auf dem Krankenlager schrieb Neumann an seinem letzten Werk „The Computer and the Brain“ (Rechenautomat und Gehirn).