Vor 100 Jahren wurde am 20. Januar 1907 in Hamburg der Physiker Manfred Baron von Ardenne als Sohn eines adligen Berufsoffiziers geboren. Ardenne kam 1914 mit seiner Familie nach Berlin. Dort besuchte er bis 1923 das Friedrichs-Gymnasium. Bereits als heranwachsender Jugendlicher interessierte er sich für technisch-physikalische Fragen. In der Folgezeit richtete er sich in der elterlichen Wohnung ein eigenes Laboratorium ein, in dem er sich von 1923 bis 1925 mit rundfunktechnischen Entwicklungen zu beschäftigen begann. Die dafür erforderlichen handwerklichen Fertigkeiten erwarb er sich zur gleichen Zeit in einer Feinmechanikerwerkstatt. Als Sechzehnjähriger meldete Ardenne sein erstes Patent auf ein funktechnisches „Verfahren zur Erzielung einer Tonselektion, insbesondere für Zwecke der drahtlosen Telegrafie“ an. Dank der Vermittlung des Physikers Walther Nernst (1864 - 1941) konnte er 1925 ein viersemestriges Grundlagenstudium in Physik, Chemie und Mathematik an der Berliner Universität absolvieren. Seine Ausbildung ergänzte er durch ein ständiges, autodidaktisch betriebenes Studium - von ihm als ein „Spezialstudium in Permanenz“ bezeichnet. In einer in Berlin-Lichterfelde gelegenen Villa richtete sich 1928 Ardenne ein privates Forschungslaboratorium ein, das er bis 1945 leitete und in dem namhafte Wissenschaftler mitarbeiteten. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete Ardenne zehn Jahre lang in der ehemaligen Sowjetunion bei Suchumi als Direktor des Instituts für Verfahren zur industriellen Isotopentrennung. Im Jahre 1955 kehrte Ardenne in den sowjetisch kontrollierten Teil Deutschlands zurück. An dem in Dresden aufgebauten und nach ihm benannten „Forschungs-institut Manfred von Ardenne“, an dem zuletzt 500 Wissenschaftler beschäftigt waren, wandte er sich den verschiedensten Arbeits-gebieten wie Rundfunktechnik, Elektronenstrahloszillographie, elektronischem Fernsehen, Elektronenmikroskopie, Isotopentrennung, biomedizinischer Elektronik, Krebsforschung und der Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie zu. Seine erste bedeutsamste Erfindung gelang Ardenne 1925 in Form des Breitband-Widerstands-Verstärkers. Als Neunzehnjähriger erfand er 1926 die dann mit Unterstützung von Dr. Siegmund Loewe (1885 - 1962) in Millionen Stück hergestellte Niederfrequenz-Dreifachröhre. Dieses Bauelement senkte den Preis für ein damaliges dreistufiges Rundfunkgerät auf ein Drittel und kann als der erste integrierte Schaltkreis in der Elektronik gelten. In seinem Berliner Laboratorium begann Ardenne 1929 mit der Entwicklung einer Elektronenstrahlröhre mit Glühkatode und Lichtsteuerelektrode, die den entscheidenden Durchbruch in der Fernseh-technik einleitete. An die Stelle der bis dahin benutzten mechani-schen Vorrichtungen zur Bildzerlegung trat nun Ardennes Leucht-fleckabtaster (flying spot scanner), der noch heute vielfach angewandt wird. Am 24. Dezember 1930 war dann jener denkwürdige Tag, an dem Ardenne die ersten Fernsehbild- und Filmübertragungen mit Elektronenstrahlröhren auf der Sender- und Empfängerseite gelangen. Zu den rund 600 Erfindungen Ardennes zählen der elektronisch-optische Bildwandler von 1934, das Raster-Elektronen-Mikroskop von 1937 und das 1939/40 entwickelte erste Elektronen-Stereo-Mikroskop. In den 50er und 60er Jahren entstanden Massenspektrographen, Elektronenstrahl-Mehrkammer-Öfen und Plasmafeinstrahlbrenner. Mit der Hinwendung zu medizinischen Forschungen erfand Ardenne 1958 den verschluckbaren Intestinalsender für Magen-Darm-Trakt-Unter-suchungen. Seit 1965 entwickelte er die Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie und beschritt neuertige Wege zur Krebsbekämpfung. Manfred Baron von Ardenne starb am 26. Mai 1997 in Dresden.