Vor 100 Jahren starb am 9. Dezember 1907 in Bonn der Elektro-ingenieur und Unternehmer Wilhelm Lahmeyer. Er wurde am 26. April 1859 in Clausthal (Harz) geboren. Die gutsituierte Stellung seines als Rechnungsrat der Bergverwaltung in Clausthal eingesetzten Vaters ermöglichte es Lahmeyer, nach dem Besuch des dortigen Gymnasiums zunächst in Göttingen und dann in Gießen Mathematik zu studieren. Dem schloss sich ein Studium der Elektrotechnik in Hannover an, wo zu seinen Lehrern der Physiker Friedrich Wilhelm Georg Kohlrausch (1840 - 1910) zählte. Um seine Kenntnisse in der Praxis zu vertiefen, arbeitete Lahmeyer nach Abschluss seines Studiums ab 1883 als Assistent am Aachener Poly-technikum. Mit seiner selbstregelnden Bogenlampe und einer Gleichstrom-Außenpol-Maschine mit geschlossenem Magnetjoch gelangen ihm 1886 seine beiden ersten Erfindungen, denen später mehr als 20 zum Teil grundlegende Patente folgten. Beispielsweise sind die „Lahmeyer-Dynamos“ die Grundform der heutigen Gleichstrommaschinen. Der Erfolg mit seinen ersten elektrotechnischen Erfindungen bewog Lahmeyer, ebenfalls noch im Jahre 1886, die „Deutschen Elektrizitätswerke zu Aachen, Garbe, Lahmeyer & Co.“ zu gründen. Doch schon nach vier Jahren verließ er diese Firma und gründete im Herbst 1890 in Frankfurt (Main) die „Wilhelm Lahmeyer & Co. KG“, aus der nach 1893 durch einen Zusammenschluss mit anderen Unternehmen die späteren „Felten & Guilleaume - Lahmeyerwerke“ gebildet wurden. Lahmeyer erkannte als einer der ersten Techniker die Notwendigkeit einer organisatorischen Trennung zwischen dem elektrischen Betrieb von Fabriken einerseits und dem Betrieb von Stromversorgungs-unternehmen andererseits. In den von Lahmeyer gegründeten Werken wurden folglich immer größere Elektromaschinen und komplette Elektrizitätswerke gebaut. Diesen Zielen diente auch die, ebenfalls noch 1890, von der „Wilhelm Lahmeyer & Co. KG“ als Tochtergesell-schaft gegründete und ein Jahr später mit ihr zusammengeschlossene „Aktiengesellschaft für den Bau und Betrieb elektrischer Anlagen“. Es handelte sich dabei um die erste einer derartigen Betriebs-gesellschaft in Deutschland, deren Organisationsform von vielen anderen Gesellschaften übernommen wurde. Ein weiterer technischer Erfolg Lahmeyers war die im Sommer 1891 mit seinem Gleichstromsystem vorgeführte Übertragung elektrischer Energie von Offenbach zur 10 Kilometer entfernten Halle der Elektrotechnischen Ausstellung in Frankfurt (Main). Obwohl er anfangs nur mit Gleichstrom arbeitete erkannte Lahmeyer schon bald die Bedeutung des Drehstromes für die Übertragung hoher Spannungen über große Entfernungen. Er sicherte sich deshalb frühzeitig die Patente des deutschen Elektroingenieurs Friedrich August Haselwander (1859 - 1932), um den Bau von Drehstromgeneratoren aufzunehmen. Mit der 1893 vollzogenen Umwandlung der „Wilhelm Lahmeyer & Co. KG“ in die „Electrizitäts-Actien-Gesellschaft“ wollte Lahmeyer als ein typischer Repräsentant der Entwicklung der deutschen Starkstrom-technik immer größere Gewinne in Konkurrenz zu der 1887 gegründeten weitaus kapitalkräftigeren AEG (Allgemeine Elektrizitäts-Gesell-schaft) erzielen. Wenn auch kommerziell begründet, so gab Lahmeyers Wirken doch wichtige Impulse für den Aufbau der Elektroindustrie im Wilhelminischen Deutschland. Besondere Verdienste erwarb er sich als Erfinder im Elektromaschinenbau. Die intensive Zuwendung zur Elektrotechnik untergrub jedoch sehr bald seine Gesundheit, so dass er sich Ende 1893 von der Führung seiner Firma zurückzog. Ein Jahr nach Lahmeyers frühen Tod begann die AEG, die bereits durch ihr Vorgehen Haselwanders Drehstrompatente im Jahre 1889 zu Fall gebracht hatte, durch eine hohe Aktienbeteiligung in die ehemals von Lahmeyer gegründeten Unternehmen einzudringen. Um 1912 gehörten schließlich alle ehemaligen Lahmeyer-Firmen diesem riesigen deutschen Elektrokonzern.