William Thomson (Kelvin)
Ein britischer Physiker (1824 - 1907)
Zum Gedenken an seinen 100. Todestag
Vor 100 Jahren starb am 17. Dezember 1907 auf Schloss Netherhall (bei Largs/ Schottland) der Physiker William Thomson (seit 1892 Lord Kelvin of Largs). Er wurde am 26. Juni 1824 in Belfast (Nordirland) geboren.
Aus einer Familie von Mathematikern und Ingenieuren stammend vermittelte ihm bis zu seinem zehnten Lebensjahr sein Vater, ein Mathematiklehrer, eine ausgezeichnete Allgemeinbildung. Als Thomsons Vater 1834 an die Universität Glasgow berufen worden war, bewirkte Thomson Senior, dass sein hochbegabter Sohn bereits als Zehnjähriger an der gleichen Bildungsstätte für ein Studium der Mathematik und Physik eingeschrieben werden konnte. Anfangs beschäftigte sich Thomson mit den mathematischen Arbeiten von Pierre-Simon Laplace (1749 - 1827) und den Abhandlungen über die Wärmeleitung von Jean-Baptiste-Joseph Baron de Fourier (1768 - 1830). Doch dann wechselte er für die Zeit von 1840 bis 1845 zur Universität Cambridge über, wo er als Siebzehnjähriger seine erste wissenschaftliche Arbeit im „Cambridge Mathematical Journal“ veröffentlichte. Dieser Zeitspanne folgte eine einjährige experimentelle Tätigkeit in Paris bei Henri Victor Renault (1810 - 1878). Einer Berufung zum Professor der
Physik folgend kehrte Thomson 1846 an die Universität Glasgow zurück. Dort forschte und lehrte er bis zu seiner Emeritierung.
In einem verlassenen Weinkeller richtete sich der zweiundzwanzig-jährige Professor Thomson sein erstes Laboratorium ein. Thomsons weitere Untersuchungen galten von nun an der Erforschung von Fragen der Wärmelehre, der Elektrizität und des Magnetismus. Mehrere Forschungsarbeiten führte er gemeinsam mit James Prescott Joule (1818 - 1889) durch. Bei der Untersuchung der Änderung von Gastemperaturen entdeckten beide 1853/54 den nach ihnen benannten Joule-Thomson-Effekt. Von Thomson stammt auch eine wissenschaftlich begründete Definition der (heute in Kelvingraden angegebenen) absoluten Temperatur.
Als weiterer wissenschaftlicher Erfolg gelang dem Begründer der klassischen Thermodynamik im Jahre 1853 die Entdeckung der seinen Namen tragenden Thomsonschen Schwingungsformel (T = 2?p?Ö(L?C) zur Bestimmung der Periodendauer elektromagnetischer Schwingungen. Für die beginnende Entwicklung der drahtlosen Telegrafie erwiesen sich Thomsons Arbeiten über elektromagnetische Schwingungen und Wellen als sehr bedeutungsvoll.
Der US-amerikanische Techniker und Unternehmer Cyrus West Field (1819 - 1892) begann im Jahre 1858 erstmals mit der Verlegung eines Transatlantik-Kabels. An Bord der „Agamemnon“ war ihm Thomson ein wichtiger wissenschaftlicher Betreuer bei den Verlegearbeiten. Ausschlaggebend dafür war, dass Thomson zuvor eine Theorie der Ausbreitung elektrischer Signale in langen Kabeln sowie ein Verfahren zur Beseitigung der Verzögerung elektrischer Signale entwickelt hatte. Hinzu kam, dass Thomson die Konstruktion mehrerer Spezialgeräte gelungen war, auf die er insgesamt 70 Patente erhielt. Zu diesen Geräten gehörten die nach dem Wissenschaftler banannte Thomsonsche Messbrücke (eine Messbrücke zur Ermittlung kleinster Widerstandswerte), ein Spiegelgalvanometer für die Verlegung von Tiefseekabeln und ein automatisches Schreibgerät für gesendete Telegrafiezeichen.
Aufgrund seines hohen wissenschaftlichen Rufes im Jahre 1890 zum Präsidenten der Londoner Royal Society gewählt und 1892 in den Adelsstand eines Lord Kelvin of Largs erhoben trat er, nunmehr unter dem Namen Kelvin bekannt, 1899 in den Ruhestand. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Kelvin auf seinem Schloss in Schottland.
Seine letzte Ruhestätte fand er in der Londoner Westminster-Abtei neben dem Grab von Isaac Newton (1643 - 1727).
Zu Ehren von Lord Kelvin hat man im Internationalen Einheitensystem als Maßeinheit für die absolute Temperatur (T) das Kelvin (K) festgelegt.