Ein US-amerikanischer Physiker (1908 - 1991) Zum Gedenken an seinen 100. Geburtstag
Vor 100 Jahren wurde am 23. Mai 1908 in Madison (Wisconsin) der Physiker John Bardeen geboren. Sein Studium der Physik schloss er 1928 in Madison an der University of Wisconsin ab. Bardeen forschte während der nächsten beiden Jahre an der Universität von Madison. Anschließend arbeitete er von 1930 bis 1933 als Geophysiker in Pittsburgh (Pennsylvania). Nachdem er 1936 an der Universität von Princeton (Nebraska) zum Doktor der Mathematik promoviert worden war kehrte er in den Hochschuldienst zurück. Von 1935 bis 1938 anerkanntes Mitglied der Science of Fellows (Wissenschaftliche Gesellschaft) der Harvard University in Cambridge (Massachusetts) tätig, erhielt er 1938 eine Berufung als Physik-professor nach Minneapolis (Minnesota) an die University of Minnesota. Dort lehrte er bis 1941. Während des Zweiten Weltkrieges war Bardeen als Chefphysiker im Naval Ordnance Laboratory (Laboratorium der Marineartillerie) in Washington (District of Columbia) eingesetzt. Für seine weitere wissenschaftliche Laufbahn nach Kriegsende war entscheidend, dass er zu den Laboratorien der Bell Telephone Incorporation in Murray Hills (New Jersey) überwechselte. Dort experimentierten bereits William Bradford Shockley (1910 - 1989) und Walter Houser Brattain (1902 - 1987) mit Halbleitermaterialien und forschten nach deren technolo-gischen Anwendungsmöglichkeiten in der Elektronik. Bardeen wurde Mitglied der unter Shockleys Leitung tätigen Arbeitsgruppe und steuerte seine Theorien bei. Nunmehr entwickelte Bardeen eine Hypothese über das Verhalten von Elektronen in Festkörpern. Diese Hypothese übte einen beschleunigenden Einfluss auf die Entwicklung zum Halbleiterbauelement aus. Das neu geschaffene Bauelement war geeignet, die großen zerbrechlichen und uneffektiven Elektronenröhren abzulösen. Anfangs lautete der für das neue Bauelement gewählte Name „transfer resistor“ (Übergangswiderstand). Daraus entstand bald die bekannte Abkürzung „Transistor“. Für ihre bahnbrechende Erfindung erhielten die drei Wissenschaftler im Jahre 1956 den Nobelpreis für Physik. Da Bardeen von der University of Illinois eine Professur für Physik und Elektrotechnik übertragen wurde begab er sich 1951 nach Urbana (Illinois). Seine weiteren Untersuchungen galten dort der tiefgehenderen Erforschung von Vorgängen in Halbleitern und der Supraleitfähigkeit bei extrem tiefen Temperaturen des Materials. Auf diesem Gebiet leistete er in Zusammenarbeit mit den beiden Physikern Leon Cooper (geb. 1930) und John Robert Schrieffer (geb. 1931) besonders wichtige Beiträge. Unter Bezugnahme auf die drei Wissenschaftler Bardeen, Cooper und Schrieffer bezeichnet man ihr Forschungsergebnis mit den Anfangsbuchstaben ihrer Namen als die BCS-Theorie. In Anerkennung seiner Leistungen wurde Bardeen im Jahre 1972 erneut der Nobelpreis für Physik verliehen, den er gemeinsam mit den Physikern Leon Cooper und John Robert Schrieffer erhielt. John Bardeen war der erste Wissenschaftler, dem zweimal der Nobelpreis in dem gleichen Forschungsgebiet verliehen wurde. Zudem empfing er zahlreiche weitere Ehrungen und Auszeichnungen. Viele Jahre war Bardeen an der Herausgabe der wissenschaftlichen Zeitschrift „Physical Review“ (Physikalische Rundschau) beteiligt. Als bekanntes Mitglied einer Reihe führender wissenschaftlicher Organisationen amtierte er von 1959 bis 1962 als Präsident des Science Advisory Committee (Ausschuss für wissenschaftliche Vorschläge). John Bardeen starb 30. Januar 1991 im „Brigham and Woman´s Hospital“ in Boston (Massachusetts).