Ein deutscher Hochfrequenztechnikers (1908 - 1971) Zum Gedenken an seinen 100. Geburtstag
Vor 100 Jahren wurde am 17. November 1908 in Bernburg (Saale) der Hochfrequenztechniker Leo Brandt geboren. Er kam als Sohn eines Postrats zur Welt. Brandt studierte später Elektrotechnik an den Technischen Hochschulen in Aachen und Berlin. Noch im gleichen Jahr nach Ablegung seines Diplomexamens trat er 1932 in Berlin in den Dienst der Telefunken GmbH ein. Bis 1945 war er ein führender Mitarbeiter dieser Gesellschaft. Dem Techniker Brandt übertrug die Telefunken-Gesellschaft bereits 1935 die Leitung des Empfänger-Laboratoriums für Funkgeräte. Das war zugleich der Beginn einer engen erfolgreichen Zusammenarbeit mit dem seit 1923 bei Telefunken arbeitenden Hochfrequenztechniker Wilhelm Tolmé Runge (1895 - 1987). Beide Techniker entwickelten in gemeinsamer Arbeit, vor allem während des Zweiten Weltkrieges, eine Reihe funkmess-technischer Gerätesysteme. Anfang 1939 entwarf Brandt, nunmehr mit der Leitung der Geräteentwicklung betraut, die Telefonie-Richtfunkgeräte „Michael“ und „Rudolf“. Noch im gleichen Jahr entwickelten Brandt und Runge das fahrbare Funkmessgerät „Würzburg“ mit der Kurzbezeichnung FuMG 62 und führten es den Vertretern der Luftwaffe vor. Dieses Funkmessgerät arbeitete mit 50 Zentimetern Wellenlänge bei einer Reichweite von 30 Kilometern und besass eine Parabolantenne von drei Metern Durchmesser. Ab Mai 1940 ging das FuMG 62 in die Serienfertigung und wurde während des Zweiten Weltkrieges zum Standardgerät der deutschen Luftabwehr. Ab 1941 gelangte als Weiterentwicklung das ortsfeste Funkmessgerät „Würzburg-Riese“ unter der Bezeichnung FuMG 65 zum Einsatz. Dieses von Brandt und Runge entwickelte Gerät erzielte mit seiner Parabolantenne von 7,5 Metern Durchmesser eine Reichweite von 80 Kilometern. Durch gegnerisches „Düppeln“, wobei auf die Wellenlänge der Funkmessgeräte abgestimmte kurze Aluminiumstreifen abgeworfen wurden, konnten allerdings die „Würzburg-Geräte“ bei Luftangriffen keine anfliegenden Bomberverbände zielgenau erfassen. Hinzu kam, dass der englischen Luftwaffe seit Februar 1942 die bei einem Kommandounternehmen an der französischen Küste in die Hände gefallenen Ausweichfrequenzen des FuMG 62 bekannt waren und folglich gestört werden konnten. Eine zielsichere Feuerleitung war daher den Bedienungen der „Würzburg-Geräte“ nicht mehr möglich. Um nicht irrtümlicherweise die mit den „Würzburg-Geräten“ erfassten deutschen Flugzeuge abzuschießen, entwickelte Brandt 1941 in Ergänzung den Kennungsgeber „Steinziege“. Erst nachdem das überraschend neuartige Radar-Bordgerät eines im Februar 1943 bei Rotterdam abgeschossenen britischen Nachtbombers ausgewertet worden war entwickelte Brandt nach dem Vorbild des „Rotterdam-Gerätes“ noch im gleichen Jahr das Panoramabildgerät „Barb“. Dieses Gerät diente zur Darstellung einer auch bei Nacht und Nebel erkennbaren elektronischen Landkarte. Als Bordgerät wurde es zu einem unentbehrlichen Hilfsmittel der Nachtjäger. Das „Barb-Gerät“ arbeitete bereits mit einer Wellenlänge von neun Zentimetern bei einer Reichweite von zwei Kilometern. In Auswertung der technischen Parameter des „Rotterdam-Gerätes“ entwickelten Brandt und Runge bis Ende 1943 das im Zentimeter-wellenbereich arbeitende ortsfeste Funkmessgerät „Marbach“, dessen Reichweite über 200 Kilometer betrug. Die Luftüberlegenheit der alliierten Bomberverbände konnte jedoch auch das „Marbach-Gerät“ nicht verhindern. Nach Kriegsende untersagten die vom Alliierten Kontrollrat erlassenen Gesetze den deutschen Forschungseinrichtungen eine Fortführung sämtlicher Arbeiten zur Weiterentwicklung der Funkmess-technik, von nun an als Radartechnik (entstanden aus der englischen Bezeichnung „radio detecting and ranging“ für das Entdecken und Orten mit Funkwellen) bezeichnet. 1945 trat Brandt daher in kommunale Dienste und übernahm ab 1949 leitende Aufgaben auf ministerialer Ebene beim Aufbau des Verkehrswesens und im Forschungsbereich. Brandt wurde mit der Ehrendoktorwürde der Medizinischen Akademie Düsseldorf und der Technischen Hochschule München geehrt sowie mit hohen deutschen und ausländischen Verdienstorden in Anerkennung seiner funktechnischen Leistungen ausgezeichnet. Leo Brandt starb am 26. April 1971 in Mainz.