Ein deutscher Fernsehtechniker (1908 - 1990) Zum Gedenken an seinen 100. Geburtstag
Vor 100 Jahren wurde am 2. März 1908 in Neustadt (Haardt) der Fernsehtechniker Walter Bruch geboren. Der Kaufmannssohn Walter Bruch erlernte nach seinem Schulbesuch in Pirmasens und München zunächst den Beruf eines Maschinenschlossers. Während der sich anschließenden Studienzeit in Berlin erwarb er sich die erforderlichen technisch-theoretischen Voraussetzungen für seine seit 1930 betriebene Hinwendung zur Fernsehtechnik. Nach seinem Studienabschluss arbeitete Bruch für einen kurzen Zeit-raum in Berlin-Lichterfelde im Laboratorium des Physikers Manfred Baron von Ardenne (1907 - 1997). Seit Ende des Jahres 1933 bis 1935 war Bruch in dem Fernsehlabor des ungarisch-deutschen Technikers D?nes von Mihály (1894 - 1953) beschäftigt. Frühzeitig erkannte Bruch die physikalischen Grenzen der Lochscheibe, des Spiegelrades und des Linsenkranzabtasters für die fernsehtechnische Entwicklung. Er wechselte daher 1935 zu der Berliner Firma Telefunken über. In deren Fernsehabteilung arbeitete er gemeinsam mit Fritz Schröter (1886 - 1973) an der Konstruktion der ersten deutschen industriell gefertigten Fernsehempfänger und -aufnahmekameras, die auf elektronischer Grundlage beruhten. Ein erster Höhepunkt für Bruch war sein Einsatz als Fernsehkameramann anläßlich der Berliner Olympiade von 1936. Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete Bruch an einer der ersten Kameras für „industrielles Fernsehen“, mit denen die Heeresversuchs-anstalt Peenemünde den Flug der A-4-Raketen per Bildschirm genauestens kontrollieren wollte. Nach Kriegsende betrieb Bruch in Berlin von 1946 bis 1950 ein eigenes Entwicklungslaboratorium für Elektrophysik. Danach setzte er als Leiter der Fernsehentwicklung seine Forschungsarbeit bei Tele-funken fort. Dort wandte er sich verstärkt den Fragen des Farbfernsehens zu. Die Mängel des 1953 in den USA eingeführten NTSC-Ver-fahrens (NTSC = National Television System Committee) erkannte Bruch sehr bald. Auch das von dem französischen Fernsehtechniker Henri de France (1911 - 1986) im Jahre 1956 erundene SECAM-Verfahren (SECAM = Syteme en couleur avec memoire) erschien ihm nicht als günstigste Lösung. Nach mehrjähriger Forschungsarbeit konnte Bruch als seine bedeutsamste Erfindung am 3. Januar 1963 in Hannover im Fernsehlaboratorium von Telefunken einer Gruppe europäischer Fernseh-Programm-Direktoren das von ihm entwickelte und den anderen Systemen überlegene PAL-Verfahren (PAL = Phase Alternation Line) in Gegen-überstellung mit dem NTSC- und dem SECAM-Verfahren vorführen. Nach Überwindung einer Reihe kommerzieller und politischer Vorbe-halte hatten sich bis Dezember 1982 bereits 61 Länder für die Einführung des PAL-Farbfernsehverfahrens entschieden. Die BRD führte das PAL -Verfahren anläßlich der XXV. Berliner Funkausstellung am 24. August 1967 ein. Bruch lehrte von 1968 bis zu seiner Emeritierung 1973 als Professor an der Technischen Universität Hannover. In Würdigung seiner Leistungen erhielt er den Werner-von-Siemens-Ring und 1980 den Wladimir-Kosma-Zworykin-Preis verliehen. Walter Bruch starb am 5. Mai 1990 in Hannover.