In deutschen Lettern Zur Geschichte der Frakturschrift
Es gibt nur wenig andere Kulturträger, die als so typisch deutsch gelten wie die Schrift mit den „gebrochenen“ Buchstaben – die Fraktur. Obwohl ihre Lettern auch in anderen europäischen Ländern anzutreffen waren, ist sie doch nirgends so lange in Gebrauch gewesen wie im deutschen Sprachraum. Zu Unrecht allerdings wird die Schrift mit dem Nationalsozialismus in Verbindung gebracht. Es waren nämlich die Nationalsozialisten, die die Frakturschrift als „Judenlettern“ bezeichneten, und die lateinische Antiqua-Druckschrift und die lateinische Schreibschrift fortan als „Deutsche Normalschrift“. Doch diese Tatsache ist einer weiten Öffentlichkeit verborgen geblieben, und nicht zuletzt Unwissenheit führte zu dem größten deutschen Presseskandal des 20. Jahrhunderts. Als am 25. April 1983 das Magazin Stern die „Hitlertagebücher“ präsentierte, prangte auf dem dunkelblauen Einband in goldenen Frakturlettern das – angebliche – Monogramm Hitlers: „AH“. Niemand in der Redaktion kannte augenscheinlich die deutsche Schrift. Denn der erste Großbuchstabe war kein „A“, sondern ein „F“! Der Schöpfer des Machwerks, der Fälscher Konrad Kujau, hätte also schnell enttarnt werden können. Und dem Stern wäre Hohn und Spott des In- und Auslandes erspart geblieben, von den finanziellen Verlusten ganz zu schweigen. (…)