Mit rauchenden Schloten Die Entwicklung der Geschäftsbriefe seit der Industrialisierung
Ausladende Ornamente und weitschweifige Blumenranken – Mitte des 19. Jahrhunderts zieren sie (meist) stilvoll die Briefköpfe von Geschäftsleuten. Phantasiereich wird so der Titel des Formulars geschmückt, Rechnung und Quittung, Lieferanzeige und Angebot werden schmuck gestaltet. Andere Unternehmer setzen eher auf vornehme Zurückhaltung: Sie lassen ihren Firmennamen farblos am oberen Rand des Briefpapiers einprägen. Bald jedoch beschränken sich die Unternehmer nicht nur auf den Schmuck ihrer Briefköpfe, sie illustrieren ihre Formulare zielgerichtet. Schließlich ist der Briefkopf die Visitenkarte des Unternehmens. Neben traditionellen Motiven wie den Allegorien in barocker Tradition werden nun die Attribute des technischen Zeitalters auf die Briefköpfe gedruckt: Die Eisenbahn und der rauchende Schornstein symbolisieren die Moderne. Vor allem die aufblühende Industrie schmückt im ausgehenden 19. Jahrhundert ihre Briefe und Formulare mit Fabrikansichten. Zunächst in kleinformatigen Vignetten am Rande der Papiere zu sehen, stehen die Motive im späten 19. Jahrhundert eigenständig und zentral im Briefkopf. Die Abbildungen repräsentieren den technischen Fortschritt, stolz stellt man den eigenen Besitz in seiner ganzen Größe zur Schau. Schwarz qualmende Schlote, die auf den Formularen viel zahlreicher zu sehen sind als in der Realität, belegen die Emsigkeit einer Firma. Tradition und Erfolg, Tüchtigkeit und Fortschritt: Nicht nur die Fabrikansichten sollen diese Tugenden versinnbildlichen. (…)