Die Geschichte des Flugschiffs Do X hat zwei Seiten: Es war nur kurze Zeit in Betrieb, aber für die Luftfahrtgeschichte war es sehr bedeutend, eine technische Meisterleistung, die in Folge der rasanten Entwicklung in der Luftfahrt nicht mehr gebraucht wurde. Claude Dornier, ein Mitarbeiter Graf Zeppelins, befasste sich seit 1914 mit der Entwicklung von Flugbooten und gründete schließlich ein eigenes Unternehmen zu deren Bau. Besonders das Flugboot „Dornier Wal“ ist durch zahlreiche Postflüge bekannt geworden. 1927 wurde Dornier vom Oberkommando der Kriegsmarine mit der Entwicklung des Großflugzeuges Do X beauftragt. Nachdem das im Maßstab 1:1 erstellte Modell akzeptiert wurde, begann Ende 1927 der Bau des Flugschiffs Do X in einer neuen Werkshalle in Altenrhein am Bodensee: 570 Tage Bauzeit, 240 000 Arbeitsstunden, 40,05 Meter Länge, 48 Meter Spannweite. Die Do X war als Fernaufklärer, Minenleger und Torpedoflugzeug vorgesehen, wurde aber nie für diese Zwecke eingesetzt. Am 12. Juli 1929, 25 Jahre nach dem ersten bemannten Motorflug der Brüder Wright, glitt die Do X mit einem Leergewicht von 28 Tonnen über eine Abrollbahn aus der Fertigungshalle in den Bodensee. Das Flugschiff besaß drei Decks. Der Führerraum, der Navigationsraum, die Maschinenzentrale und der Funkraum lagen im Oberdeck. Im Hauptdeck befanden sich die Passagierräume. Die Fracht-, Post- und Gepäckräume sowie die Tankanlage waren im Unterdeck untergebracht. Angetrieben wurde die Do X zunächst von 12 Siemens-Jupiter-Motoren mit einer Startleistung von jeweils 522 PS. Die Fahrgasträume von 24 Meter Länge und einer mittleren Breite von 3,2 Metern sowie zwei Meter Höhe waren modern eingerichtet und boten etwa 70 Passagieren Platz. Nach mehreren Rollversuchen mit immer höherer Geschwindigkeit gab es dann die große Überraschung: Die Do X hob vom Wasser ab und führte ohne Schwierigkeiten ihren Erstflug durch. Am 21. Oktober 1929 hatte man die Flugkabine mit leichten Korbstühlen ausgestattet und erreichte während eines einstündigen Fluges über den Bodensee mit 169 Passagieren an Bord In Rio de Janeiro wurden am 21. Juni 6 885 Briefe und 6 580 Karten aus Friedrichshafen – wo die Post für die Do X aufgegeben werden musste – plus der in Lissabon eingelieferten portugiesischen Post von 436 Briefen und 368 Karten an die brasilianische Post geliefert. Alle Postsachen bekamen in Brasilien einen Bestätigungsstempel des Syndicato Condor in Rautenform und gingen an die Bestimmungsorte weiter. Von Rio de Janeiro aus startete die Do X mit neuer Post am 5. August 1931 und flog über mehrere Stationen in Brasilien nach Surinam, wo sie am 18. August 1931 in Paramaribo eintraf. Hier wurden Sondermarken für die mit der Do X beförderte Post hergestellt. Der Flug wurde nach Trinidad über die Kleinen Antillen noch Nordamerika fortgesetzt und traf am 22. August 1931 in Miami ein. Über Charleston und Norfolk ging der Flug nach Norden weiter. Am 27. August 1931 landete die Do X in New York. Wegen Überholungsarbeiten und Überwinterung gab es hier einen längeren Aufenthalt. Den Rückflug nach Europa trat sie am 19. März 1932 an. Bei den Flügen innerhalb der USA konnte keine Post aufgegeben werden. Beim Rückflug hatte die Do X 2 871 Briefe und 1 730 Karten an Bord. In Neufundland waren Postaufgaben mit der eigens für diese Beförderung hergestellten Aufdruckmarke möglich. Der Flug wurde von dort aus am 21. Mai 1932 fortgesetzt und führte über die Azoren nach Vigo zur spanischen Küste und über Calshot in England weiter nach Berlin, wo die Do X am 24. Mai 1932 nach ihrer erfolgreichen Süd- und Nordatlantiküberquerung auf dem Müggelsee wasserte. einen Weltrekord für Passagierflugzeuge, der erst 1949 übertroffen werden konnte. Bei den Erprobungsflügen zeigte sich jedoch, dass die Motoren der Do X nicht über genügend Kraftreserven verfügten. Eine Umrüstung wurde nötig. Im Februar 1930 baute man amerikanische Curtiss-Conqueror- Motoren mit einer Startleistung von je 640 und einer Dauerleistung von 410 PS ein. Nach gründlicher Erprobung der neuen Motoren folgte die Planung eines Europa- und eines Weltrundfluges. Kommandant der Do X musste ein Kapitän mit einem Patent für Große Fahrt sein, der gleichzeitig die Lizenz als Flugzeugführer besaß. Friedrich Christiansen erfüllte diese Anforderungen und wurde Kommandant. Tatsächlich aber war Horst Merz, Flugkapitän der Deutschen Lufthansa, der Flugzeugführer. Am 5. November 1930 um 11.35 Uhr startete die Do X vom Bodensee zum großen Weltrundflug. Sie nahm zunächst Kurs auf die Schweiz und Frankreich und flog rheinabwärts nach Amsterdam, wo sie um 17.05 Uhr wasserte. Es folgten Etappen nach Großbritannien, Frankreich und Spanien bis zur Ankunft der Do X am 22. November 1930 im Hafen von Lissabon. Wegen eines Tragflächenbrands musste sie dort länger stehen. Nach der Reparatur und einigen Probeflügen startete die Do X am 31. Januar 1931 zum Weiterflug nach Las Palmas. Das Flugzeug wurde wieder beschädigt, sodass Südamerika erst ab 1. Mai 1931 in mehreren Etappen angeflogen werden konnte. Am 20. Juni 1931 traf die Do X in Rio de Janeiro ein. Die Überquerung des Südatlantiks war bewältigt worden. Die Amtsblattverfügung des Reichspostministeriums Nr. 383 vom 21. Oktober 1930 hatte den Amerikaflug des Flugschiffs Do X angekündigt. Weiter stand dort, dass die Post mit einem Sonderstempel „Erster Überseeflug Europa–Amerika des Dornier Flugschiffs Do X“ versehen und während des Fluges eine Posthilfsstelle mit einem Aufgabestempel (Bordstempel) an Bord eingerichtet werden sollte. Die Poststücke durften bis zu 20 Gramm wiegen und mussten den Leitvermerk „Mit Flugschiff Do X nach Amerika“ tragen. Die Gebühr für einen Brief betrug sechs, für eine Karte vier Reichsmark.