Am 16. Juli 1929 lief die voll besetzte „Bremen“ zu den Klängen des Deutschlandliedes und begleitet von den Hochrufen der Zuschauer zu ihrer Jungfernfahrt von Bremerhaven nach New York aus. Die Fahrt dauerte ab Cherbourg vier Tage, 17 Stunden und 42 Minuten. Damit hatte die „Bremen“ auf Anhieb den rund 20 Jahre alten Rekord der „Mauretania“ der Cunard Line übertroffen und das symbolische Blaue Band für die schnellste Atlantiküberquerung in Ost-West- Richtung errungen. Die Distanz betrug 3 164 Seemeilen, zurückgelegt in einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 27,83 Knoten. An diesen Rekord erinnert die Deutsche Post 50 Jahre später, am 8. Juli 2004, mit einer Postwertzeichenausgabe „Gewinn des Blauen Bandes durch den Dampfer Bremen“. Noch schneller war nur das Postflugzeug der „Bremen“, das um 13.35 Uhr New Yorker Zeit im Hafen landete. Das Katapultflugzeug war auf der Höhe des Ambrose- Channel-Feuerschiffes von der Startanlage abgeschossen worden. Vor seiner Wasserlandung kreuzte Pilot von Studnitz fünf Minuten lang über dem Pier des Norddeutschen Lloyd in Brooklyn. An Bord befanden sich fünf große und zwei kleine Postsäcke, die ein Postwagen zum Hauptpostamt von New York brachte. Innerhalb weniger Stunden konnte die für New Yorker Adressen bestimmte Post zugestellt werden. Aus Begeisterung über diese Leistung taufte Bürgermeister Walker am 23. Juli das Flugzeug auf den Namen „New York“. Um 15.09 Uhr erreichte die „Bremen“ die Quarantänestation in Port Tompkins und wurde vom Hafenschlepper Macom begrüßt. Das städtische Willkommenskomitee ging an Bord. In Begleitung des Schleppers fuhr die „Bremen” in den Hafen ein und machte um 17 Uhr am Pier fest. Man hatte den Liegeplatz Brooklyn gewählt, um auf die neuesten Kaiausrüstungen zugreifen zu können. Im Hafen ertönten alle Sirenen, Tausende von Menschen jubelten. Der Korrespondent der Bremer Nachrichten meldete nach Deutschland: „Die Bremen wird als ein Triumph deutscher Technik gefeiert und es wird betont, daß Deutschland trotz aller gewaltigen Rückwirkungen des Krieges und des Friedensvertrages sein maritimes Prestige von früher wieder erobert habe.“ Am folgenden Tage hieß es, dass die Amerikaner dem Schiff den Beinamen „Neue deutsche Königin der Meere“ gegeben hätten. Während seines fünftägigen Aufenthaltes besichtigten 70 000 Menschen das Schiff. Am 27. Juli trat die „Bremen“ ihre Rückreise an und traf nach vier Tagen, 14 Stunden und 30 Minuten in Cherbourg ein. Auch die Fahrt in West-Ost- Richtung war eine Rekordreise. Kurz vor Cherbourg verließ das Katapultflugzeug die „Bremen“ und flog nonstop in vier Stunden nach Bremerhaven. Statt bisher acht oder neun Tage brauchte die Post von New York nach Berlin nur noch fünf Tage und 11 Stunden. Erst 1936, als man den regelmäßigen transatlantischen Postflugdienst aufnahm, wurden die Katapultflugzeuge überflüssig. An ihrer Stelle entstanden Großgaragen, in denen die „Bremen“ mehr als 3 400 Autos über den Atlantik transportierte.