Er feierte große Erfolge als erster Postmeister der Stadt Halle
Gerhard Weinreich
Am 6. Juni 1680, nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges und dem Tode des sächsischen Administrators Herzog August von Sachsen- Weißenfels, ging das ehemals sächsische Halle an Kurbrandenburg über. Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1620–1688) traf am 2. Juni 1681 in Halle ein und ernannte Friedrich Madeweis am 8. Juni 1681 zum ersten Postmeister der Stadt Halle. Madeweis wurde als Sohn eines Pfarrers am 10. November 1648 zu Sonnentin in der Neumark geboren und erhielt seinen ersten privaten Unterricht bereits im Alter von vier Jahren im väterlichen Haus. 1664 begann er sein Studium in Philosophie, Jura und Medizin an der Universität Jena. Aufgrund seiner großen Begabung konnte der 16-jährige Madeweis bereits im ersten Jahr seines Studiums den Magistergrad erwerben, der ihn berechtigte, theologische und philosophische Vorlesungen zu halten. Damit verdiente er sich in den nächsten Jahren seinen Lebensunterhalt. Außerdem erwarb sich der junge Gelehrte durch seine Vorlesungen einen wissenschaftlichen Ruf, der bald die Jenaer Stadtgrenze überschritt. Der Berliner Magistrat betraute ihn daher im April 1672 mit der Stelle des Konrektors am Gymnasium „Zum Grauen Kloster“. Inzwischen hatte sich Madeweis, der insgesamt 14 Fremdsprachen beherrschte, ein außergewöhnlich umfangreiches Wissen in den Disziplinen Jurisprudenz, Medizin und Philosophie und vor allem in der Mathematik erworben, sodass er als ein Polyhistor seiner Zeit gilt. Nachdem Madeweis von seinem obersten Souverän am 8. Juni 1681 zum ersten Postmeister der Stadt Halle ernannt worden war, begann er zielstrebig, das staatlich organisierte Postwesen für dieses Gebiet aufzubauen. Als wichtige Grenzstation zum benachbarten Kursachsen sowie als Zwischenstation zu den entfernt liegenden kurbrandenburgischen Gebieten besaß Halle zu dieser Zeit eine besondere Bedeutung. Anfangs erhielt Madeweis ein Jahresgehalt von nur 200 Talern; war aber zugleich an den Gebühreneinkünften der Halleschen Poststation beteiligt. Ihm standen der vierte Teil des Briefportos sowie der achte Teil des Frachtgeldes zu, sodass 1695 sein Jahreseinkommen 1 443 Taler betrug. Allerdings musste er davon auch die für die Poststation anfallenden Beleuchtungs-, Heizungs- und Reinigungskosten bezahlen. Für den Dienstbetrieb mietete Madeweis in dem Gebäude „Galgstraße 2“, dem Geburtshaus des Halleschen Mediziners Friedrich Hoffmann (1660–1742), einen Raum, in dem jeder Postbenutzer seine Sendungen im Postzimmer abliefern oder abholen konnte. Der Eingang der Postsendungen wurde durch einen Anschlag öffentlich bekannt gemacht. Dank des wirtschaftlichen Aufschwungs und der Entwicklung Halles zur Hochschulstadt wurde die Poststelle bald zu klein. Auf kurfürstlichen Befehl hin erwarb der Postmeister das Grundstück „Galgstraße 2“ (in Marktnähe, spätere „Leipziger Straße“, beim Bau des Ratshofes 1928 abgerissen) am 11. August 1681 für 1 550 Taler. Außerdem legte Madeweis einige kleinere Postkurse an und richtete neue Poststationen in Alsleben, Wieskau an der Fuhne (als Grenzund Zollstation für das Fürstentum Anhalt) und Haus Zeitz bei Belleben ein. Dank seiner organisatorischen Fähigkeiten schaffte er noch im Jahre 1681 den Anschluss an eine von Leipzig nach Hamburg (jedoch nicht über Halle) verkehrende kursächsische „Geschwindepost“. Eine weitere von Halle über Jena nach Erfurt „geschwindfahrende Post“ nahm 1686 den Postverkehr auf. Nach dem großen Brand vom 17. September 1683, der das Hallesche Gebiet „Großes und Kleines Berlin“ verwüstete, ließ Madeweis 1697 auf dem Grundstück „Stadtmauer 434“ (heute „Große Brauhausstraße 16“) das im Volksmund „Riesenhaus“ genannte Gebäude (weil der Balkon über dem Portal von den überlebensgroßen Figuren der Riesen Atlas und Herkules getragen wird) mit seinem auch heute noch gut erhaltenen Barockportal errichten. 41 000 Taler kostete der imposante Bau. Im Frühjahr 1702 nahm darin das „Athenäum-Salomoneum“ den Lehrbetrieb als Akademie auf und ergänzte die an der Universität noch fehlenden praktischen Wissenschaften. Mit der erstmaligen Einrichtung von Unterrichtskabinetten und einer teilweise berufspraktischen Ausbildung an seiner Lehranstalt bewies Madeweis, dass er nicht nur auf postalischem Gebiet, sondern auch im Schulwesen Herausragendes leistete und seiner Zeit weit voraus war. Gleichzeitig brachte er in dem an das „Riesenhaus“ angrenzenden Gebäude neue Posträume unter. Die nunmehr als „Königlich Preußisches Postamt“ geführte Hallesche Poststation verlegte Madeweis im Jahre 1699 von der „Galgstraße 2“ in dieses Gebäude, in dem sie bis August 1705 blieb. Der stete Aufschwung des Halleschen Wirtschaftslebens führte seit Beginn des 18. Jahrhunderts zu einer Zunahme der Postkurse. Laut einer Kabinettsorder vom 14. Oktober 1702 richtete Madeweis eine Postverbindung von Halle nach Nordhausen ein. Dem folgte ein Jahr danach die Aufnahme der siebten fahrenden Post, die auf der Strecke Halle– Zörbig–Dessau–Coswig–Treuenbrietzen –Berlin verkehrte. Daran erinnert heute noch die „Posthornstraße“ im Norden von Halle, die von der „Frohen Zukunft“ in Richtung des ehemaligen Gasthauses „Posthorn“ führt. Die langjährigen Anstrengungen des ersten Halleschen Postmeisters und Gelehrten untergruben seine Gesundheit, sodass er seine weitreichenden Pläne nicht mehr verwirklichen konnte. Am 7. August 1705 starb Friedrich Madeweis in Halle an einem Schlaganfall. Er fand seine letzte Ruhestätte auf dem Kirchhof des ehemaligen Barfüßerklosters.