„Das auge ist ein herr, das ohr ein knecht“, schrieb Jacob Grimm Mitte des 19. Jahrhunderts, „jenes schaut um, wohin es will, dieses nimmt auf, was ihm zugeführt wird.“ Die Dominanz des Sehens über das Hören hat eine lange Tradition. Die Anfänge liegen in der Renaissance und der Reformation, als das Sehen gegenüber den Nahsinnen zu dominieren begann, die menschliche Wahrnehmung auf Distanz ging und nach mehr Kontrolle strebte. Zum Nachteil des Gehörs gereicht auch, dass es eine sprachgeschichtliche Verbindung zwischen „hören“, „Hörigkeit“ und „Gehorsam“ gibt. Die Ohren sind leicht manipulierbar und wenig flexibel, heißt es. Dabei sind sie im Gegensatz zu den Augen permanent im Einsatz. Während die Augen geschlossen werden können, gibt es keine „Ohrenlider“. Man kann nicht nicht hören.