Das Auge „the master sense of the modern era“ Sabine Flach
Das Auge wird im Verlauf der kulturellen und wissenschaftlichen Teilung des Körpers als ein besonders zentrales Organ beschrieben und entwickelt sich innerhalb der daraus entstehenden Rangfolge der Sinne zum Leitsinn. Im Unterschied zu Sinnen wie dem Tastsinn oder dem Geschmackssinn, die dem privaten Bereich zugeordnet werden, beansprucht das Auge Öffentlichkeit. Durch diesen öffentlichen Charakter übernimmt das Auge sowohl Kontroll- als auch Selbstkontrollfunktionen. Der Sehprozeß ist dabei jedoch kein rein objektiver Vorgang. In das Sehen gehen ebenso die subjektiven Phantasien, Erinnerungen und Vorstellungen einer Person ein und erzeugen ein individuelles, perspektivisches Bild der Umwelt. Sehen ist also ein physiologischer Vorgang ebenso, wie ein durch individuelle und soziale Unterschiede gekennzeichneter historisch-kultureller Prozeß, der die Kommunikation von Individuen wesentlich bestimmt.