„Nun einen Augenblick stillstehen! Standfoto!“ Zu Stummfilmzeiten gehörte dieser Satz zum Filmemachen wie das Amen in der Kirche. Nach Abschluss jeder Szene schleppte der Standfotograf seine gewaltige Atelierkamera herbei, kroch unter das schwarze Tuch, stellte scharf, vertauschte die Mattscheibe mit einer Holzkassette im Format von einem halben Meter im Quadrat, warf einen Blick aufs Dekor und auf die erstarrten Schauspielergesichter und drückte auf den Gummiball. Die goldenen Zeiten des Standfotografen sind schon lange passe. Was einst als Beruf ausgewiesen war, gehört heute zur Nebenbeschäftigung eines Fotografen, der tageweise angeheuert wird und mit einer Polaroid- oder Digitalkamera ausgerüstet ist. Besonderes Ansehen genoss die Arbeit des Standfotografen allerdings nie; er hatte sich mit der untersten Stufe der Hierarchie im Filmstudio zu begnügen, erschien nicht einmal im Abspann des Films.