MUSEUM AUF ACHSE Eine Nostalgiefahrt mit der Bahnpost im Mai 2004
Benedikt Burkard
Ein nasskalter Samstagmorgen im Mai auf dem Frankfurter Hauptbahnhof. Der Regen trommelt auf das Glasdach der Bahnhofshalle, überall auf dem Boden stehen Wasserpfützen. Die große Anzeigetafel weist auf einen Zug hin, der sonst nie fährt: um 6 Uhr 55 auf Gleis 22 ein D-Zug nach Basel, „zusätzlicher Zug“. D-Züge – gibt's die überhaupt noch? Ich nehme in einem leeren Abteil Platz. Die Lehnen und Kopfstützen sind mit ziegelrotem Kunstleder bezogen, die Sitze mit rot-schwarz gestreiftem Velours gepolstert. So schauten viele Waggons bis in die 90er-Jahre aus. Fast schon vergessen. Der Zug setzt sich in Bewegung. Gleisanlagen, Brücken, Kleingärten sind zu sehen, später nur noch Bäume. Dampfwolken ziehen vorbei, nein: sie stehen, hängen über den Gleisen, und der Zug lässt sie hinter sich zurück. „Seit 24 Stunden regnet es in Hessen“, hörte ich beim Frühstück im Radio.