Die Geschichte der Telekommunikation ist auch die Geschichte eines Kampfes des menschlichen Erfindergeistes gegen die Naturgesetze. Immerhin gilt es, die natürlichen Grenzen, die der Reichweite der menschlichen Stimme gesetzt sind, stets auf Neue zu durchbrechen. Dabei wird uns Sterblichen nur allzu oft vor Augen geführt, dass sich unsere Träume, Hoffnungen und Ziele – auch, was den schnöden Umsatz betrifft – gewissen Sachzwängen beugen müssen.
Als Alexander Graham Bell das Telefon erfand, wollte er angeblich bettlägerige Menschen von Ferne mit Musik versorgen. Das scheint geklappt zu haben: Wer heutzutage siech darniederliegt und sich nach etwas Musik sehnt, wählt eine beliebige Hotline-Nummer. Prompt landet er in einer Warteschleife und bekommt mehr Musik ab, als er je zu hoffen wagte. Das dürfte wohl der letzte wahre Sieg gewesen sein, den die Telekommunikation über die Physik erringen konnte.
Auch die Mobiltelefonie stieß schon bald an Grenzen. Die ersten Handys hatten die Größe eines Feuerlöschers und bedurften eines Pilotenkoffers, wollte man sie unauffällig bei sich behalten. Dies spornte den Erfindergeist der Ingenieure an, die Handys zu verkleinern. Um das Jahr 1995 war hier eine Grenze erreicht: Die handelsübliche Konstruktion des menschlichen Kopfes definierte über die durchschnittliche Distanz Ohr/Mund eine gewisse Mindestgröße für Handys. Da die Firma Sony sich dennoch in den Kopf gesetzt hatte, ein „kreditkartengroßes“ Handy unters Volk zu werfen, erfand man flugs das ausklappbare Mikrofon und konnte so wenigstens noch einen Punktsieg über die Physik erringen.
Aber das war’s dann wohl. Die Mobilfunker unserer Tage müssen sich mit ganz anderen Problemen herumschlagen. So suchte unlängst der japanische Mobilfunk- Multi NTT DoCoMo ein Argument, um die Investoren zu beruhigen. Das war rasch gefunden: Im Jahre 2010 – so wurde verlautbart – werde NTT Do- CoMo in Japan 360 Millionen Kunden haben. Dass Japan derzeit gerade mal 127 Millionen Einwohner zählt, mochte da nur einen kleinen Geist stören, denn schließlich – so NTT DoCoMo – gebe es in Japan genügend Maschinen, die ein reges Kommunikationsbedürfnis verspüren.
Da andere Mobilfunker ähnliche Probleme haben, wurde das Argument aufgegriffen. Man rechnete hoch und kam zu bemerkenswerten Ergebnissen: Bei einer Weltbevölkerung von – so über den Daumen – sechs Milliarden Menschen ist die Zahl der möglichen Mobilfunkverbindungen zwar irgendwo begrenzt – was aber, wenn man mal unterstellt, dass es 50 Milliarden Maschinen gibt, die dringend untereinander kommunizieren müssen? Nicht zu vergessen die über 500 Milliarden Waren, die per Mobilfunk erfasst, verwaltet und auf den Weg zum Konsumenten geschickt werden wollen!
Tatsächlich besitzen Kopierer von Xerox oder Toshiba schon seit Jahren Module, die es erlauben, die üblichen Wartungsabfragen mobilfunkgestützt aus der Ferne zu erledigen. Die Firmen und ihre Kunden verbuchten günstigere Wartungskosten und längere Nutzungszeiten. Den beteiligten Mobilfunk-Anbietern brachte das aber wenig: Das Umsatzwachstum pro Kunde blieb deutlich hinter den Erwartungen zurück.
Maschinen beschränken ihre Kommunikation nämlich wirklich auf das Nötigste.