75 JAHRE WELTFAHRT LZ 127 „Graf Zeppelin“ Veit Didczuneit
Am Morgen des 29. August 1929 umrundete LZ 127 „Graf Zeppelin“ um 6.40 Uhr zum zweiten Mal die Freiheitsstatue von New York und landete um 7.12 Uhr in Lakehurst. Die Welt war umkreist! In 21 Tagen, sieben Stunden und zwölf Minuten. Drei Tage später hob das Luftschiff erneut in Richtung Europa ab. Aus deutscher Sicht hatte die Weltumrundung nämlich erst am 15. August 1929 in Friedrichshafen begonnen. Der erste Start in Lakehurst wurde als Zugeständnis an den amerikanischen Milliardär und Hauptfinanzier William Randolph Hearst gedeutet. Die Weltfahrt Friedrichshafen–Friedrichshafen endete am 4. September 1929 um acht Uhr nach 20 Tagen, vier Stunden und 14 Minuten. Davon wurden sieben Tage, 15 Stunden und 54 Minuten in Häfen zugebracht, sodass die reine Fahrzeit zwölf Tage, zwölf Stunden und 20 Minuten betrug. Amerika, Deutschland und die Welt jubelten anlässlich dieser sensationellen Meisterleistung. Die erfolgreiche Fahrt galt als Beweis deutscher Leistungsfähigkeit und Wertarbeit. Deutschland war wieder im Zeppelin-Fieber.
Das nach Freigabe der deutschen Luftschifffahrt durch die Entente-Mächte aus Mitteln der „Zeppelin- Eckener-Spende“ des deutschen Volkes 1927/28 gebaute Luftschiff – das größte bis dahin gebaute Luftfahrzeug – hatte die Maße eines Überseedampfers (Länge: 236,6 Meter, größter Durchmesser: 30,5 Meter und 105 000 Kubikmeter Wasserstoffgasinhalt) und das Gewicht einer Barkasse (58 Tonnen). LZ 127 war in der Lage, 10 000 Kilometer pro Fahrt zurückzulegen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit bei der Weltfahrt betrug 113,2 km/h. Der Zeppelin konnte 15000 Kilogramm zahlende Last mitführen. Den mitreisenden 20 Passagieren stand vielfältiger Komfort zur Verfügung – bis auf den Umstand, dass an Bord striktes Rauchverbot herrschte.
In der Philatelistischen und Photographischen Sammlung des Museums für Kommunikation Berlin erinnern mehrere Objekte an das Luftschiff „Graf Zeppelin“, das auf den 34 200 Kilometern auch Post beförderte. Neben Hearst und einer Gruppe von deutschen Zeitungen finanzierten Philatelisten im Wunsch nach außergewöhnlichen Luftpostbelegen die Zeppelinreise. LZ 127 transportierte nach Tokio 400 Kilogramm, nach Los Angeles 425, nach Lakehurst 400 und nach Friedrichshafen 800 Kilogramm Post und Fracht.
Die von LZ 127 mitgeführten Briefe sowie Postund Ansichtskarten sind mit den unzähligen Kombinationsmöglichkeiten von Anschriften und Absendernennungen, von Marken, Stempeln und Bemerkungen begehrte Sammlerstücke. Auch die Museumssammlung besitzt im Bestand Zeppeline mehrere Stücke (darunter so wertvolle wie die LZ 129 „Hindenburg“-Katastrophenpost), die die Weltfahrt belegen. Besonders freuen wir uns über die Stempel-Unikate aus dem Reichspostmuseum, die weitere wichtige Fahrten des Luftschiffes „Graf Zeppelin“ von der Orientfahrt 1929 über die Südamerikafahrt 1930 bis zur Polarfahrt 1931 dokumentieren. Motive der Luftschiff-Postbeförderung auf Ansichtskarten und Fotos sind in unseren Beständen dagegen sehr selten.
Ein weiteres aussagekräftiges und attraktives Belegstück der Weltfahrt von LZ 127 konnten wir Um die Welt – nicht in 80, sondern in 20 Tagen Ende 2003 für die Kartographische Sammlung erwerben. Bereits der Kommandant der „Graf Zeppelin“ Dr. Hugo Eckener benutzte anlässlich der Zeppelin-Feierlichkeiten Ende August 1929 einen Globus, um dem New Yorker Bürgermeister James J. Walker und der interessierten Öffentlichkeit die Reise mit ihren vier Etappen von Lakehurst über Friedrichshafen, Tokio und Los Angeles nach Lakehurst zu veranschaulichen. Der in den 30er-Jahren in „Ad. Mang’s Geogr.-Astron. Verlag“ (Eckstein & Stähle) in Stuttgart in achter Auflage erschienene Verkehrs- und Wirtschaftsglobus verzeichnet die Route von LZ 127 in seinem Kartenbild stark hervorgehoben mit einer dicken Linie und der Beschriftung „Umkreisung der Erde durch das Luftschiff ‚Graf Zeppelin‘ 15. VIII. – 4. IX. 1929“. Darüber hinaus weist der unter wissenschaftlicher Mitarbeit von Professor Stricker hergestellte Globus mit seinen 33 Zentimetern Durchmesser und 104 Zentimetern Umfang (Höhe mit Fuß: 63 Zentimeter) ne- ben wirtschaftsgeografischen Angaben wie Rohstoffgewinnung und Nahrungsmittelanbau weitere wichtige kommunikationshistorische Daten aus: Neben den Eisenbahnlinien, Karawanen- und Pilgerstraßen zeigt er die Weltverkehrswege zur See in ihrer wirtschaftlichen Bedeutung. (Die Breite der Bänder entspricht dem Verkehrsaufkommen.) Gebührende Darstellung findet auch der seit den 20er-Jahren stark angestiegene Luftverkehr. Zur Abbildung kommen die Flughäfen, die allgemeinen Zeppelin-Routen und die Weltfluglinien. Gesondert aufgeführt sind die Verkehrswege der Deutschen Lufthansa, der Deutschen Katapultschiffe für Flugzeuge sowie der Deutschen Katapultschiffe für Flugboote. Von besonderer Bedeutung sind auch die mit einem kräftigen roten Kreis gekennzeichneten Weltrundfunksender wie beispielsweise Moskau, Saigon und Buenos Aires. Der angekaufte Verkehrs- und Wirtschaftsglobus (Kommunikationsglobus) behandelt mehrere unserer Sammlungs- und Ausstellungsthemen. Somit eignet er sich in Ausstellungen auch sehr gut zur Bildung von aussagekräftigen Objektensembles.