„Es war kurz nach dem Krieg, die ersten richtigen Autos fuhren wieder, und sie waren noch einigermaßen selten. Wenn wir also auf der Straße standen, sämtliche Spiele schon durchgespielt hatten und nicht mehr wussten, was wir noch tun konnten, sagte einer: ‚Komm, wir gehen CH-stempeln.‘ Wir gingen also runter zur Aarauerstraße, warteten auf Autos und schauten ihnen nach, und wenn dann ein Auto ein CH-Schild hatte, riefen wir ‚CH‘ und stempelten es. Das ging so, dass wir den rechten Daumen mit der Zunge netzten, richtig nass musste er sein, mit dem Daumen die Handfläche der linken Hand befeuchteten und mit der rechten Faust in die linke Handflache schlugen und dazu eben riefen: ‚CH‘. Selbst ich als konsequenter und hoffnungslos unverbesserlicher Linkshänder schlug mit der rechten Faust in die feuchte linke Handflache, gegen Abend konnte das sogar weh tun, harte Arbeit, ähnlich dem gelangweilten, aber offiziellen Ernst, mit dem das Postfräulein die Briefe stempelt, ähnlich in unseren Ohren fast auch das Geräusch“, so erzählt Peter Bichsel in Kolumnen, Kolumnen.