und Beschleunigungswahn Wie die Beschleunigung uns die
Zeit stiehlt und wie wir uns
dagegen wehren können
Bernd Flessner
"Einszweidrei, im Sauseschritt läuft die Zeit; wir laufen mit." Als Wilhelm Busch (1832-1908) diese Zeilen schrieb, nämlich im Jahr 1877, hatte das technische Zeitalter bereits spürbar Fahrt aufgenommen. Während die Eisenbahn als erstes technisches Verkehrsmittel Menschen mit bislang unvorstellbarer Geschwindigkeit durch Europa beförderte, benötigten Nachrichten dank der Telegrafie nur noch wenige Minuten, um den Erdball zu umrunden. Auch der große Konkurrent der Telegrafie, das Telefon, stand schon in den Startlöchern. Im Mai 1877, ein Jahr nach der Anmeldung zum Patent, gab Alexander Graham Bell (1847-1922) seinem Telefon die endgültige Form, sodass in den USA die ersten Telefonnetze entstehen konnten. Auch andere Erfindungen trugen dazu bei, dass sich die Menschheit von tradierten Wirtschaftsformen löste und ein schier gigantisches Projekt in Angriff nahm, das die Philosophen Max Horkheimer und Theodor W. Adorno als "Verwandlung der Welt in Industrie" bezeichnet haben.