Furchtbare Schönheit: der Aufstand im Hauptpostamt. Eine historische Erinnerung aus Dublin
Norbert Hummelt
Ist seine mächtige Front mit den sechs ionischen Säulen derzeit auch eingerüstet, so fällt doch eines am Dubliner General Post Office, kurz GPO, in der O’Connell Street sofort auf: Es ist von einer geradezu wuchtigen Größe, und die hohe, von einer Kassettendecke überwölbte Schalterhalle erweckt das Gefühl, als öffne sich der Raum in die Zeit. Düstere Ölgemälde an den Wänden zeigen historische Motive und verbinden sich mit dem Eindruck heischenden Raum. Nimmt man sich die Zeit, ein Schriftstück zu betrachten, das an zentraler Stelle in der Schalterhalle gezeigt wird, erlangt man Gewissheit: Dieses Gebäude war Schauplatz erinnerungswürdiger Ereignisse. Am Ostermontag, dem 24. April 1916, verlas der Lehrer Patrick Pearse hier die Unabhängigkeitserklärung der Irischen Republik, Höhepunkt eines sechs Tage dauernden, schlecht vorbereiteten Aufstandes. Blutig niedergeschlagen von der britischen Besatzungsmacht öffnete er doch das Tor zur wenige Jahre später erkämpften Freiheit.