(…) Die Legende, die Adolf Hitler als Erfinder und Erbauer der Autobahnen sieht, ist in Deutschland kaum auszurotten. Sie beinhaltet aber nur einen Teil der Wahrheit. Sicherlich hatte der autobegeisterte Hitler die Bedeutung eines künftigen Schnellstraßennetzes erkannt. Die Idee passte zu seiner Vorstellung von Deutschlands Zukunft als herrschende Macht in Europa, war aber nicht seine eigene. Er verwirklichte sie allerdings. Für die Realisierung konnte er auf Pläne aus den späten 1920er-Jahren zum Bau einer durchgehenden Autostraße Hamburg–Frankfurt–Basel („Hafraba“) zurückgreifen. 1927 tauchte in einer Fachzeitschrift erstmals der Begriff „Autobahn“ in Analogie zur Eisenbahn auf. Zwei Jahre später folgte der Bau einer ersten Autobahnstrecke. Als Notstandsmaßnahme zur Bekämpfung der Massenarbeitslosigkeit, die Deutschland nach der Weltwirtschaftskrise heimsuchte, hatte die Rheinprovinz 1929 mit der Anlage einer kreuzungsfreien Kraftfahrstraße von Köln nach Bonn begonnen. Die 20 Kilometer lange Musterstrecke konnte am 6. August 1932 vom Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer eingeweiht werden. Aus Prestigegründen wurde diese eigentliche Ur-Autobahn später zu einer Landstraße erster Ordnung degradiert. Alle übrigen Pläne, die seit 1926 vom Hafraba-Verein entworfen und bis 1931 detailliert ausgearbeitet worden waren, kamen im instabilen wirtschaftlichen und politischen Umfeld der Weimarer Republik nicht zur Verwirklichung. Für die Nationalsozialisten eignete sich der Straßenbau in besonderem Maße, um öffentlichwirksam als riesiges Beschäftigungsprogramm angekündigt zu werden. Da die Bauarbeiten mangels geeigneter Maschinen zunächst weitgehend von Hand durchgeführt werden mussten, kam tatsächlich eine bedeutende Anzahl von Arbeitskräften in Lohn und Brot. Die Quellen sprechen von 60.000 bis 120.000 Menschen – in der Bevölkerung war allerdings von einer zehnmal höheren Zahl die Rede.