„Die Pflicht der Artigkeit“ Kundenfreundlichkeit bei der Post – damals und heute Jürgen Bräunlein
„Der Kunde ist König“, sagt der eine. „Nein, der Kunde ist Gott“, der andere. „Aber Gott verzeiht!“, kontert der erste – darauf der zweite: „Aber nur einmal!“ Ist der Kunde, das unbekannte Wesen, wirklich so unberechenbar oder so schwer zufrieden zu stellen? Oder umgekehrt gefragt: Wie viel Höflichkeit und Entgegenkommen kann er von Verkäufern und Dienstleistern überhaupt erwarten? Bei der Deutschen Reichspost war der rechte Umgang mit dem Kunden, damals noch „Verkehrsteilnehmer“ genannt, ein Thema, mit dem sich die Amtspitze beschäftigt hat. Aus sehr alten Zeiten stammte die Kritik, Postbeamten fehle es generell an der angemessenen Höflichkeit, und dieser Vorwurf hat sich in der öffentlichen Meinung lange erhalten, womöglich länger als berechtigt, wie Karl Sautter, einstiger Staatssekretär im Reichspostministerium, in seinem Standardwerk Geschichte der Deutschen Reichspost (1871 bis 1945) nicht ganz unparteiisch feststellt. (…)