(…) Mit deutschen Mittelgebirgen und Waldromantik ließen sich leicht Werte wie Tradition, Bodenständigkeit und Ursprünglichkeit verbinden – und genau das verkörperte auch das gewählte Material, massives Eichenholz. Das „exklusive Tischtelefon“ Modell „Oslo“ dagegen im „nordischen Design“ griff „die der Natur nachempfundene organische Linienführung skandinavischer Möbel auf“. Im Unterschied zu den dunklen Holztönen von „Rhön“ und „Spessart“ war das Gehäuse aus hellem, massivem Eschenholz gearbeitet. Die Designtelefone spiegeln die Sehnsucht nach dem Echten und Unverfälschten und markieren die Abkehr vom Synthetik- und Plastikboom der vorangegangenen Jahre. Anfang der 1980er-Jahre hatte die Bundespost begonnen, ihr Angebot an Telefonen auszuweiten. Der Rückgriff auf traditionelle Formen erfreute sich dabei nicht nur in Deutschland, sondern auch in den europäischen Nachbarländern großer Beliebtheit, allerdings wurde nur die äußere Form der historischen Vorbilder aufgegriffen, denn auf modernen Telefonkomfort sollte (und wollte) man nicht verzichten. Mit dem Typ des hölzernen Wandapparates mit Schreibpult wurde die Formensprache der Jahrhundertwende zitiert, als alle funktionalen Bauteile des Telefons – der Wecker, das Mikrofon, der Kurbelinduktor und der Batterieschrank - auf ein Brett montiert und mit einem Holzgehäuse abgedeckt wurden. Holz als Werkstoff für wissenschaftliche Modelle und damit verbundene Forschungszwecke führt aber in der Geschichte der Telefonie noch weiter zurück ins 19. Jahrhundert. Denn eines der berühmtesten Stücke der Telefongeschichte ist ein Holzobjekt − das „Ohr“, der erste Sender des Erfinders Philipp Reis, ist aus Eichenholz geschnitzt. Auch bei den verschiedenen Ausführungsformen seiner Empfänger arbeitete Reis mit Resonanzkörpern aus Holz – bei seinen Experimenten nutzte er zunächst den Korpus einer Geige zur Verstärkung, der spätere „Stricknadelempfänger“ hat einen dünnen Fichtenholzdeckel und -boden mit Schalllöchern. Die hölzernen Gehäuse der Bell-Telefone zeigen eine ganz andere, schlichte und funktionale Stempelform. Diesem Bauprinzip folgten auch alle deutschen Firmen, die ab 1877 Telefone für die Postbehörden beziehungsweise interessierte private Nutzer herstellten.