(…) Weit seltener macht man sich jedoch klar, dass der Buchdruck seinen folgenreichen Siegeszug ohne seine „Grundlage“ kaum hätte antreten können. Das Papier war neben der Druckerschwärze und dem Bleiletternsatz notwendiger Bestandteil dieser Revolution, seine massenhafte und preiswerte Produktion folglich Voraussetzung für die grundlegenden Umwälzungen, die die frühe Neuzeit brachte. Eine Buch- und Schriftproduktion, die über die geringen Produktionszahlen klösterlicher Skriptorien wesentlich hinausging, war auf der Grundlage des teuer und nicht industriell herzustellenden Pergaments nicht möglich – erst die wachsende Verbreitung von Papiermühlen mit ihren technologischen Neuerungen schuf hier die Basis. Erfunden war das Papier bereits im ersten Jahrhundert nach Christus in China, schon im 7. Jahrhundert diente es dort für die Herstellung von Banknoten, die sich als Zahlungsmittel spätestens im 10. Jahrhundert durchgesetzt hatten – und im 15. Jahrhunderts wieder abgeschafft wurden, da sie eine galoppierende Inflation ausgelöst hatten. Bereits für die Chinesen war deshalb die Fälschungssicherheit sowohl von Papier als auch vom fertigen Druckerzeugnis aus leicht nachzuvollziehenden Gründen ein zentrales Problem und Anliegen. Über den kulturellen Austausch mit dem arabischen Raum kam das Papier im 12. Jahrhundert nach Europa und setzte sich dort seit dem 14. Jahrhundert endgültig durch; 1389 nahm die erste Papiermühle in Deutschland ihren Betrieb auf.