Erinnerungen an den Kriegs- hilfsdienst in Hagen und Altena
Hans-Dieter Schulz
Nach meiner Schulentlassung Ostern 1940 aus der Volksschule zog sich die Einberufung zur Lehrerbildungsanstalt noch hin. Da kam eines Tages ein Bescheid, dass ich irgendwo arbeiten müsste. Offiziell nannte man das Kriegshilfsdienst. Mein Vater, der als Postschaffner bei der Post arbeitete, sagte: „Dann gehst du zur Post.“ Ich meldete mich dort und wurde zur Paketzustellung eingeteilt. Nachdem ich dies einige Tage gemacht hatte, fragte er mich: „Na, wie viel Trinkgeld hast du denn bis jetzt bekommen?“ „Nichts“, war meine Antwort. „Dann warst du im Fleyer Viertel oder am Buschey, da wohnen die Reichen, da gibt es kein Trinkgeld.“ So war es auch. Nach einigen Tagen sagte ich zu ihm: „Heute habe ich drei Mark Trinkgeld bekommen.“ „Dann warst du in Altenhagen oder Wehringhausen, da wohnen die Arbeiter, da gibt es Trinkgeld.“ Er hatte recht. Ich war in Wehringhausen gewesen. Heute denke ich manches Mal an das russische Sprichwort: „Der Satte versteht den Hungrigen nicht.“