Die DDR-Staatssicherheit überwachte das „Hilfswerk der Helfenden Hände Hamburg e.V.“
Suhl, am 22.04.82
Werte Frau Berger!* Von den zuständigen Organen der DDR wurde ich heute darauf hingewiesen, daß Sie im Auftrag einer DDR-feindlichen Organisation Briefwechsel mit mir aufgenommen haben. Sie werden verstehen, daß ich mich unter diesen Bedingungen außerstande sehe, unsere schriftliche Verbindung aufrecht zu erhalten und bitte daher, von jeden weiteren Postsendungen abzusehen.
(* Name wurde geändert)
Ähnliche Schreiben erhielt Frau Berger in Hamburg zur gleichen Zeit von mehreren Absendern aus der DDR. Was sie dabei empfunden hat, kann sie heute niemandem mehr sagen. Frau Berger lebt nicht mehr – wie viele der zu Anfang des letzten Jahrhunderts geborenen Mitarbeiterinnen des Hamburger Vereins „Hilfswerk der Helfenden Hände“ (HWHH), die mit ihrer Tätigkeit den Staatssicherheitsdienst der DDR über Jahrzehnte beschäftigt haben.
„Hilfswerk der Helfenden Hände Hamburg e.V.
" Entstanden war die Hamburger Frauenorganisation auf Initiative von Dora Fritzen. Sie hatte 1951 begonnen, Hilfspakete an politische Häftlinge und deren Angehörige in der DDR zu schicken. Für die Finanzierung kam sie selbst auf. Schon bald fand sie Mitstreiterinnen, schnell nahm der Umfang der Postsendungen mit Kleidung, Nahrungs- und Genussmitteln zu. Frau Fritzen organisierte Sach- und Geldspenden, später erhielt der Verein auch staatliche Zuwendungen. Bis 1985 sandten ehrenamtliche Helferinnen Pakete in alle 15 Bezirke der DDR, im Laufe der Jahre zunehmend auch an Personen mit abgelehnten Ausreiseanträgen. Als Absender benutzten sie sowohl ihre Privatanschriften als auch Deckadressen. Die Empfängeradressen waren in einer verschiedenfarbigen Kartei geordnet, die auch Vermerke überbesondere Wünsche sowie Kleider oder Schuhgrößen enthielt. In dieser Kartei wurden alle abgeschickten Sendungen registriert.