MIT HERZ UND VERSTAND – SAMMELLEIDENSCHAFT IM MUSEUM Veit Didczuneit
„Nein, Seelenfrieden war in dieser Welt nicht zu finden. Es gibt kein Morgen ohne Sorgen, wie die Philosophen sagen. Aber noch mächtiger als die äußeren Versuchungen waren diejenigen, die der Mensch in seinem Hirn und Herzen trug. Keine Stunde, in der nicht irgendeine Leidenschaft Jascha zusetzte.“ In dem Roman Der Zauberer von Lublin des amerikanischen Schriftstellers polnischer Herkunft Isaac B. Singer spiegelt die Figur des Jascha Masur, der leidenschaftlicher Sammler von Zaubertricks und amourösen Abenteuern ist, exemplarisch das Problem der Leidenschaft. Er verliert zwischen Lublin und Warschau das Gleichgewicht. Einzelne seiner Neigungen entwickeln sich übermäßig und werden allein herrschend. Er ist unfähig, die einzelnen Lebenszwecke nach ihrem wahren Wertverhältnis abzuwägen, und betrachtet vielmehr alles unter dem Blickwinkel seiner Leidenschaften. Aus seiner Sucht entstehen oft Handlungen, die er später bereut. Gleichzeitig hebt das vollständige Beherrschtsein seiner Seele durch übermächtige innere Antriebe sein klares Denken nicht gänzlich auf, sondern spornt ihn vielmehr – da es seine Aufmerksamkeit beständig auf einen Punkt gerichtet hält – zu ungewöhnlichen Leistungen an.