Ein deutscher Eisenbahnorganisator(1822–1904) Zum Gedenken an seinen 100. Todestag
Die ab Mitte des 19. Jahrhunderts in Deutschland entstehenden privaten Eisenbahngesellschaften stellten vor allem ihre eigenen Interessen in den Vordergrund, wodurch die zügige Entwicklung eines dichten Streckennetzes stark gehemmt wurde. Einen Wandel führte erst der vor 100 Jahren am 21. Januar 1904 in Berlin verstorbene deutsche Eisenbahnorganisator Albert von Maybach durch. Maybach wurde am 29. November 1822 in Werne (Westfalen) geboren. Sein Vater amtierte in dieser Stadt als Bürgermeister. Nach einem Jurastudium trat Maybach Junior ab 1847 in den Justizdienst ein und wechselte im Jahre 1854 in die preußische Eisenbahnverwaltung über. Dort begann sein rascher Aufstieg. Ab 1856 zunächst als Eisenbahndirektor in Breslau eingesetzt, unterstand Maybach zwei Jahre später die Leitung der Ostbahndirektion in Bromberg. Im weiteren Verlauf seiner Karriere leitete er von 1867 an in den folgenden sieben Jahren die Eisenbahndirektion in Hannover, bis er 1874 auf Vorschlag des Reichskanzlers Otto von Bismarck (1815–1898) an die Spitze des ein Jahr zuvor begründeten Reichseisenbahnamtes berufen wurde.
Im Kampf gegen den Partikularismus im Bahnwesen konnte Maybach erst dann einen größeren Einfluss auf die Bahnpolitik ausüben, nachdem ihm 1879 das im gleichen Jahr neu gebildete Ministerium für öffentliche Arbeiten unterstellt worden war. Beim Aufbau eines staatlichen Bahnnetzes in Preußen bei gleichzeitiger Verdichtung des Streckennetzes gehörte zu seinen ärgsten Widersachern der Generalpostmeister Heinrich von Stephan (1831–1897), der um die Erhaltung des Postprivilegs bei der Personen- und Postbeförderung per Postkutsche bemüht war. Dank Maybachs Wirken kam es zu einer Tarifvereinheitlichung in dem komplizierten System der Privat- und Länderbahnen sowie zu einer Bahnverwaltungsreform. Mit Weitsicht setzte er sich auch für den Ausbau der Wasserstraßen zum Zwecke des Massengütertransportes als Ergänzung zum Schienenverkehr ein. Für seine Verdienste 1888 geadelt, trat Albert von Maybach drei Jahre später in den Ruhestand.