Ein deutscher Hochfrequenztechniker (1904–1976) Zum Gedenken an seinen 100. Geburtstag
Sicherlich konnte sich kein Besucher der Berliner Funkausstellung im Jahre 1935 vorstellen, dass der schwere Kasten des angestaunten Magnetophons kaum 40 Jahre später von leichtgewichtigen Kassettenrekordern abgelöst sein würde. Der deutsche Hochfrequenztechniker Eduard Schüller leistete dabei entscheidende Schritte in der Entwicklung der magnetischen Tonaufzeichnung. Vor 100 Jahren als Sohn eines höheren Postbeamten am 13. Januar 1904 in Liegnitz (Schlesien; Legnica/Polen) geboren, weckte der Vater von Eduard Schüller schon frühzeitig das Interesse seines Sohnes an fernmeldetechnischen Fragen. Den Gymnasiumsbesuch ergänzte Eduard zunächst mit einer Mechanikerausbildung in Berlin-Charlottenburg bei der Telefonfabrik von Mix & Genest, um dann ab 1926 an der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg Elektrotechnik zu studieren. Den Abschluss bildete seine Diplomarbeit „Die magnetische Schallaufzeichnung“.
Anfangs arbeitete Schüller als Mitarbeiter der Norddeutschen Seekabelwerke in Nordenham und ab 1932 beim Heinrich-Hertz-Institut in Berlin. Mit seinem 1933 vollzogenen Wechsel zur AEG wurde er mit dem Magnetbanderfinder Fritz Pfleumer (1881–1945) bekannt. Ab August 1933 von der AEG mit der weiteren Forschung auf dem Gebiet der Magnettontechnik betraut, entwickelte Schüller ein „Gerät zur Aufnahme und Wiedergabe von Sprache und Musik“. Während die Badische Anilin- und Sodafabrik (BASF) die Entwicklung von Tonbändern auf Kunststoffbasis übernahm erfand Schüller für das Aufnahme- und Wiedergabeverfahren als Pionierleistung den „Ringkopf“. Sein „Magnetisierungskopf für Längsmagnetisierung von Magnetogrammträgern“ bildete im Dezember 1933 den Auftakt für die Anmeldung der vielen von Schüller eingereichten Patente. Sein erstes – damals noch schwergewichtiges – „Magnetophon“ mit Ringkopf konnte Schüller am 16. August 1935 als erstes Tonbandgerät der Welt der interessierten Öffentlichkeit auf der Berliner Funkausstellung präsentieren. Seine so erfolgreich begonnenen Arbeiten nahmen jedoch 1945 mit der Demontage der AEG-Magnetophon-Fabrik ein jähes Ende. In Hamburg richtete Schüller nach 1945 eine neue Fabrik für die Herstellung von Tonbandgeräten ein – war doch bei den Rundfunksendern als eine Folge des Krieges ein dringender Bedarf entstanden.
Zu Schüllers weiteren Pioniertaten zählen unter anderem sein Patent von 1953 über das Schrägaufzeichnungsverfahren mit rotierendem Magnetkopf und die 1970 vorgestellte Bildplatte, bei der Fernsehbilder nach einem piezoelektrischen Verfahren abgetastet werden.
Im Besitz von mehr als 100 Patenten verstarb Schüller am 19. Mai 1976 in Wedel (Schleswig-Holstein).