Ein deutsch-amerikanischer Techniker (1851–1929) Zum Gedenken an seinen 75. Todestag
Vor 75 Jahren starb am 3. August 1929 in Washington (District of Columbia) der deutsch-amerikanische Techniker Emile Berliner. Er wurde am 20. Mai 1851 in Hannover geboren. Trotz zunehmender Konkurrenz durch digitale Tonträger erfreut sich die von Emile Berliner vor über 100 Jahren erfundene Schallplatte noch immer größter Beliebtheit. Machen es doch seit den 50er-Jahren des vorigen Jahrhunderts eine verbesserte Aufnahmetechnik und ein neues Material möglich, dass die Klanggenüsse der „schwarzen Scheiben“ bei stereofoner Wiedergabe einem Originalerlebnis nahe kommen, wenn die Abtastnadel die rund 400 Meter lange Mikrorille in ungefähr 25 Minuten durchläuft. Sicherlich übertrug der in Hannover ansässige Kaufmann Berliner Senior den Sinn für unternehmerische Aktivitäten auf seinen in der Leinestadt geborenen Sohn Emile. Nach Abschluss der Schuljahre begann Berliner Junior im Jahre 1865 seine Ausbildung Drucker, wobei er sich nebenher noch als Laufbursche betätigte. Mit der Konstruktion eines Webstuhls begann bereits in dieser Zeit seine Hinwendung zur Technik. Doch da er in Deutschland kaum Möglichkeiten für die Verwirklichung seiner technischen Vorschläge sah, wanderte er 1870 nach Amerika aus. In den USA begann Berliner seine Tätigkeit zunächst in einer New Yorker Drogerie. Die Arbeiten in diesem und anderen Berufen sagten ihm jedoch nicht zu, so dass er nach Washington (District of Columbia) wechselte. Dort konnte er sich endlich in einer kleinen Firma der Fernsprechtechnik zuwenden und sich zugleich die erforderlichen Kenntnisse durch Selbstunterricht erwerben.
Mit seinem Mikrofon für Telefone, am 14. April 1877 patentiert, erlangte Berliner fast die gleiche Berühmtheit wie mit seiner zehn Jahre danach erfundenen Schallplatte. Die Konstruktion von Berliners Mikrofon beruhte im Wesentlichen auf einem losen und veränderlichen Kontakt zur Erzeugung verschieden starker Sprechströme. Berliner setzte sich auch für die Anwendung des Transformators und der Induktionsspule in der Fernsprechtechnik ein. Von geschäftlichem Vorteil war für ihn, dass er nach dem Eintritt in den Dienst der Bell Telephone Company, der späteren American Telephone and Telegraph Company (AT&T), dieser Firma seine gewinnversprechenden Patente übereignete. Mit seiner im Jahre 1881 während einer Reise nach Deutschland in Hannover gegründeten Fabrik für die Herstellung von Mikrofonen und Telefonen, die später sein Bruder Joseph Berliner (1858–1938) weiterführte, trug er wesentlich zur Einführung des Telefons in Deutschland und Frankreich bei. Inzwischen als Erfinder bekannt geworden, folgte Berliner einem Ruf als Assistent nach Boston (Massachusetts) an das Massachusetts Institute of Technology (MIT). Dort erfand Berliner im Jahre 1887 ein Grammophon, welches die Schallschwingungen auf gewachste, kreisförmige Zinkplatten (als Urform unserer heutigen Schallplatten) aufnahm. Im Gegensatz zu Berliners Grammophon arbeitete Edisons Phonograph von 1877 mit Wachswalzen. Außerdem wurden bei Berliners Schallplatten die Schwingungen nicht mehr in Steilschrift, d. h. mit vertikaler Auslenkung, sondern horizontal in Flachschrift, also mit seitlichen Bewegungen, aufgezeichnet. Mit dem neuen Verfahren wurden eine wesentliche Verbesserung der Tonqualität und eine Erweiterung des Tonumfanges erreicht. Zudem war nun mit den Platten eine weitaus bessere Vervielfältigung möglich als mit den Edisonschen Wachswalzen. Zwecks wirtschaftlicher Nutzung seiner Erfindung gründete Berliner in Philadelphia (Pennsylvania) die Berliner Grammophone Company.