Ein italienischer Physiker (1901–1954) Zum Gedenken an seinen 50. Todestag
Vor 50 Jahren starb am 28. November 1954 in Chicago (Illinois/USA) der italienische Physiker Enrico Fermi. Er wurde am 29. September 1901 in Rom geboren. Mit der verschlüsselten Erfolgsmeldung „Der italienische Steuermann ist in die Neue Welt eingefahren“ teilte Fermi der US-Regierung mit, dass am 2. Dezember 1942 auf dem Sportgelände der Universität Chicago (Illinois) die erste von ihm mit seinem Team entwickelte Atom-Kernkraft-Anlage – man sprach damals vom „Uranbrenner“ – in Betrieb genommen worden war. Damit begann praktisch das Zeitalter der Energiegewinnung aus Kernspaltung. Fermi studierte Physik an der Universität Pisa. Im Rahmen seiner wissenschaftlichen Arbeiten entwickelte er 1926 eine nach ihm benannte Quantenstatistik für subatomare Teilchen, aus der er zwei Jahre später ein Verfahren zur Berechnung der Elektronendichte in Atomen ableitete. Um 1932 bombardierte Fermi erstmals die schweren Atomkerne des Urans mit Neutronen. Die Ergebnisse seiner kerntechnischen Forschungen wurden 1938 mit der Verleihung des Nobelpreises für Physik „für die Bestimmung von neuen, durch Neutronenbeschuss erzeugten radioaktiven Elemente und die in Verbindung mit diesen Arbeiten durchgeführte Entdeckung der durch langsame Neutronen ausgelösten Kernreaktionen“ gewürdigt. Im gleichen Jahr emigrierte Fermi unter dem Druck des faschistischen italienischen Regimes in die USA. Dort arbeitete er auf dem Gebiet der Kernforschung weiter. Parallel zu Otto Hahns (1879–1968) Entdeckung der Kernspaltung durch Neutronenbeschuss erkannte Fermi, dass sich durch Moderation der schnellen Neutronen (Abbremsen in Wasserstoff) eine wesentliche Erhöhung der nuklearen Reaktionsrate erreichen und eine Kettenreaktion aufrechterhalten ließ. Diese Erkenntnisse wurden zu einer fundamentalen Voraussetzung für die Entwicklung der Kerntechnik und führten unter Fermis Leitung zum Bau des ersten experimentellen Kernreaktors der Welt. Von 1943 bis Mitte des Jahres 1945 beteiligte sich Fermi in Los Alamos (New Mexico) an dem „Manhattan-Projekt“ zur Entwicklung der Atombombe, um möglichen Entwicklungen in Deutschland zuvorzukommen. Für seine Forschungsergebnisse wurde Fermi mit einer Reihe von Auszeichnungen geehrt.