Ein baltendeutscher Physiker (1804–1865) Zum Gedenken an seinen 200. Geburtstag
Vor 200 Jahren wurde am 12. Februar 1804 in Dorpat (Tartu/Estland) der baltendeutsche Physiker Heinrich Friedrich Emil Lenz geboren. Als zu Anfang des 19.-Jahrhunderts die Erforschung der Naturkraft Elektrizität verstärkt einsetzte, leistete auch Lenz eine Reihe elektrophysikalischer Forschungsarbeiten. Viele Wissenschaftler und Techniker schufen schon damals die ersten Grundlagen dafür, dass kaum 150 Jahre später riesige Elektroenergie-Kraftwerke errichtet werden konnten. Lenz studierte von 1820 bis 1823 an der Universität Dorpat. Zunächst beschäftigte er sich mit Theologie. Nach kurzer Zeit wandte er sich jedoch ausschließlich der Physik zu. Seine schon als Student herausragende Begabung bewog die Vertreter der St. Petersburger Akademie der Wissenschaften, Lenz als Physiker an der Expedition des russischen Ozeanografen Otto von Kotzebue (1788–1846) teilnehmen zu lassen. Von 1823 bis 1826 führte diese Reise Lenz nahezu rund um die Welt. Dabei untersuchte er auf dem Gebiet der Geophysik die vertikale Verteilung von Temperatur und Salzgehalt in den Ozeanen und den Tagesrhythmus der Lufttemperatur in den verschiedenen Breiten. Nach Russland zurückgekehrt, befasste sich Lenz als erster Wissenschaftler mit den Niveauveränderungen im Kaspischen Meer. In St. Petersburg setzte Lenz seit 1828 seine weitere wissenschaftliche Arbeit als Hochschullehrer fort. Die St. Petersburger Universität berief ihn im Jahre 1834 zum Professor. Anschließend lehrte Lenz in St. Petersburg am Pädagogischen Hauptinstitut und an der Michailowschen Artillerieschule. Mit der 1830 erfolgten Wahl als Mitglied der St. Petersburger Akademie der Wissenschaften fanden seine Leistungen ihre verdiente Anerkennung.
Seine bedeutsamsten Forschungsergebnisse erreichte Lenz auf dem Gebiet der Elektrizitätslehre. Vor allem untersuchte er elektrische Erscheinungen, wobei er speziell die Intensität des Induktionsstromes erforschte. Am bekanntesten sind die von ihm 1833 gefundenen und ein Jahr später zusammengefassten Regeln für die Richtung des Induktionsstromes in der nach ihm benannten „Lenzschen Regel“. Zu den weiteren wissenschaftlichen Erfolgen von Lenz zählt die im Jahre 1835 entdeckte Abhängigkeit des elektrischen Widerstandes von der Temperatur. Davon ausgehend untersuchte er anschließend den Peltier-Effekt. Seine weiteren Untersuchungen galten der Erforschung des Einflusses der Geschwindigkeit auf den Strom von Induktionsmaschinen, wobei er zugleich ein ballistisches Verfahren zur Messung des magnetischen Feldes entwickelte. Lenz verstarb während eines Erholungsaufenthaltes in Italien am 10. Februar 1865 in Rom.
Lenzsche Regel: Ein induzierter Strom ist stets so gerichtet, dass er dem ihn verursachenden Vorgang entgegenwirkt. Peltier-Effekt: Fließt durch die Lötstelle zweier verschiedener metallischer Leiter ein elektrischer Strom, so tritt dort – je nach Stromrichtung – eine Erwärmung oder Abkühlung ein; benannt nach dem französischen Physiker Jean Charles Athanase Peltier (1785–1845).