Ein US-amerikanischer Techniker (1860–1929) Zum Gedenken an seinen 75. Todestag
Vor 75 Jahren starb am 17. November 1929 in Washington (District of Columbia) der US-amerikanische Techniker Hermann Hollerith. Er wurde am 29. Februar 1860 in Buffalo (Bundesstaat New York) geboren. Die seit Anfang des 20. ahrhunderts in ständig zunehmendem Umfang in völlig unterschiedlichen Bereichen anfallenden Datenmengen können nur noch mit Hilfe automatisierter Systeme bewältigt werden. Das gegen Ende des 19. ahrhunderts von Hollerith entwickelte Lochkartensystem mit seinen maschinenlesbaren Datenträgern steht als erste technisch brauchbare Lösung somit am Anfang des Entwicklungsweges, der zu den heutigen elektronischen Datenverarbeitungsanlagen führte. Eine Steuerung mittels Lochkarten war allerdings schon lange vor Hollerith erfunden worden. In Frankreich waren es drei Erfinder: Der Mechaniker Falcon setzte 1728 erstmals für die automatische Steuerung eines Webstuhls Holzbrettchen mit Lochkombinationen ein. Wenige Jahre später benutzte der Automatenkonstrukteur Jacques de Vaucanson (1709–1782) für das Abheben der Kettfäden eines Webstuhls im Jahre 1745 als „Programmspeicher“ eine umlaufende Blechwalze mit Lochkombinationen, mit der die Webmuster selbsttätig wiederholt werden konnten. Der Weber Joseph-Marie Jacquard (1752–1834) verwendete als Verbesserung ab 1805 ein Lochband aus Kartonkarten zur automatischen Steuerung von Webstühlen. Ehemals am Gymnasium in Speyer als Studienrat lehrend, verließ Hollerith Senior mit seiner Familie die pfälzische Heimat und wanderte 1848 nach den USA aus. Nur unter großen finanziellen Opfern konnten es die Eltern ihrem dort geborenen Sohn Hermann ermöglichen, an der Columbia University in New York Bergbautechnik zu studieren. Bereits mit neunzehn Jahren erwarb Hollerith sein Diplom als Bergbauingenieur. Zunächst arbeitete er an der Columbia University als Assistent seines Lehrers William Presper Trowbridge an der Lösung von Fragen der Industriestatistik. Dabei stellte er die ersten Überlegungen an, wie sich das mühselige statistische Auswerten der Fragebogen auf mechanisiertem Wege durchführen ließe. In diesem Zusammenhang kam ihm die Idee, alle anfallenden Daten mittels zu lochender Karten zu erfassen, um sie dann mit entsprechenden elektromechanisch arbeitenden Vorrichtungen auszuwerten.
Bereits 1882 folgte er einer Berufung als Hochschullehrer für Technische Mechanik an das Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge (Massachusetts). Ein Jahr später wechselte Hollerith nach St. Louis (Missouri) über, wo er sich im Auftrage einer Eisenbahngesellschaft an der Erfindung einer elektromagnetisch arbeitenden Eisenbahnbremse beteiligte. Dabei lernte er 1883 zwei Ingenieure aus Massachusetts kennen, die sich im Auftrage der gleichen Eisenbahngesellschaft mit der Entwicklung eines Lochkartensystems beschäftigten. Für Hollerith galt es nun, dieser Konkurrenz zuvorzukommen. Zu diesem Zweck übernahm er eine Tätigkeit beim Patentamt in Washington (District of Columbia), die er von 1884 bis 1889 ausübte. Sofort nach seinem Dienstantritt sicherte er sich 1884 das Erstrecht auf ein Patent für sein vorgeschlagenes Lochkartensystem, dem bis 1919 viele weitere Patente folgten. Patentrechtlich nunmehr abgesichert, begann er mit der praktischen Ausführung seines Maschinensystems. Anfangs wurden seine in Felder eingeteilten Karten mit einer gewöhnlichen Schaffnerzange gelocht. Doch bald entwickelte Hollerith für die manuelle Dateneingabe einen Tischhandlocher und für die abschließende Auswertung der Lochkarten die erforderlichen Zähl- und Sortiergeräte. Diese Geräte besaßen metallische Fühlstifte, über deren Kontaktgabe elektrische Stromkreise geschlossen werden konnten. Die Abmessungen der Hollerith-Lochkarten entsprachen dem Format einer damals im Umlauf befindlichen Zwanzig-Dollar-Note. Mit den damaligen Hollerithmaschinen konnten bereits bis zu 1000 Lochkarten in der Stunde verarbeitet werden. Schon die ersten Versuche, die Hollerith mit seinem Lochkartensystem 1886 in Baltimore (Maryland) und 1887 in Trenton (New Jersey) durchführte, waren so erfolgreich, dass er 1889 für seine als „Hollerith electric tabulating system“ (Holleriths elektrisch arbeitendes Tabelliersystem) bezeichnete Erfindung vom Deutschen Reichspatentamt ein Patent erhielt. In größerem Umfang wurde das Hollerith-System erstmals 1890 in den USA zur elften Volkszählung eingesetzt. Die diesmal bereits nach vier Wochen vorliegenden Ergebnisse bestätigten den mit der neuen Erfindung erreichten Fortschritt. Ein Jahr später hielt das Hollerith-System in Europa zuerst in Österreich seinen Einzug. Für die in Österreich geplante Volkszählung baute 1890 der Techniker Otto Schäffer (1838–1928) eine Lochkartenmaschine. In Deutschland wurden erstmals 1895 Lochkartenmaschinen installiert. Als das seinerzeit vorteilhafteste Verfahren zur Informationsverarbeitung setzte sich das Hollerith-System in den verschiedensten Bereichen weltweit schnell durch. Hollerith hatte bald das notwendige Aktienkapital beisammen, um 1896 die „Tabulating Machine Company“ (Gesellschaft für Tabelliermaschinen) zu gründen, die sich 1911 mit zwei weiteren Firmen zur „Computing-Tabulating-Recording Company – CTR“ (Gesellschaft für rechnende, tabellierende und aufzeichnende Geräte), unter der Präsidentschaft von Thomas John Watson (1874–1956) stehend, zusammenschloss.
Aus der CTR ging 1924 unter entscheidender Mitwirkung von Thomas John Watson der heutige Großkonzern „International Business Machines Corporation – IBM“ (Internationale Aktiengesellschaft für Büromaschinen) hervor. Als Präsident der IBM fungierte Thomas John Watson bis 1949. Hermann Hollerith arbeitete bis 1921 als beratender Ingenieur in der von ihm mitbegründeten CTR mit. Eine noch umfassendere Anwendung des Hollerith-Systems wurde erst dann erreicht, nachdem für die Lochkarteneintragungen zunächst die dezimale und dann die alphanumerische Codierung eingeführt worden war.