Ein US-amerikanischer Physiker und Ingenieur (1907-1980)
Zum Gedenken an seinen 25. Todestag
Vor 25 Jahren starb am 8. Januar 1980 in Ambler (Pennsylvania) der US-amerikanische Physiker und Ingenieur John William Mauchly. Er wurde am 30. August 1907 in Cincinnati (Ohio/USA) geboren. Dass mit Elektronenröhren bestückte Computer weitaus schneller rechnen können als relaisbestückte Rechenanlagen hatten bereits vor Mauchly andere Techniker wie beispielsweise in Deutschland 1937 Konrad Zuse (1910-1995) und 1942 in den USA John Vincent Atanasoff (1903-1995) erkannt. Den ersten Röhrenrechner, der erstmals zu einem praktischen Einsatz gelangte und somit den Beginn der ersten Computergeneration einleitete, entwickelten die beiden US-amerikanischen Computerpioniere John Presper Eckert (1919-1995) und John William Mauchly (1907-1980).
Mauchly studierte nach Ende seiner Schulzeit von 1925 bis 1927 an der John Hopkins School in Baltimore (Maryland) Physik. Anschließend als Forschungsassistent eingesetzt erwarb er 1932 an dieser Hochschule den Doktorgrad. Von dort wechselte er 1933 an das Ursinus College in Collegeville (Pennsylvania) über, wo er bis 1941 in der Hauptabteilung für Physik forschte und lehrte. Während dieser Zeit hielt er von 1936 bis 1938 in den Sommersemestern zugleich Vorlesungen an der mit dem Carnegie Institute in Washington (District of Columbia) vereinigten Abteilung für Erdmagnetismus. 1941 folgte er einem Ruf an die University of Pennsylvania in Pittsburgh. Dort lehrte Mauchly bis 1946 als Dozent und später als stellvertretender Professor. Während des Zweiten Weltkrieges war Mauchly seit 1944 als Berater beim Naval Ordnance Laboratory (Marineartillerielaboratorium) eingesetzt. Eine gemeinsam zu lösende Aufgabe hatte Mauchly bereits 1943 mit Eckert zusammengeführt. Von der US-Armee erhielten sie den Auftrag, einen Entwurf für eine beschleunigte Neuberechnung der Artillerieschießtabellen mittels eines automatisierten Rechensystems auszuarbeiten.
Zwecks Lösung dieser Aufgabe beschäftigten sich beide Wissenschaftler mit der Konstruktion und dem Bau eines Digitalrechners für allgemeine Rechenoperationen, mit dem die Daten in codierter Form verarbeitet werden konnten. Ohne besondere Erwähnung wurde die Grundidee des Rechnerentwurfs der beiden US-amerikanischen Physiker John Vincent Atanasoff (1903-1995) und Clifford Edward Berry (1918-1963) vom Jahre 1942 mit einbezogen.
Erst ein 1973 zwischen den Firmen „Sperry Rand Corporation“ und „Honeywell Corporation“ geführter Patentstreit brachte es an den Tag, dass Atanasoff und Berry bereits 1942 den ersten mit Elektronenröhren bestückten Computer fertig gestellt hatten.
In abgeänderter Form erfanden Mauchly und Eckert 1945 den ersten allgemein einsetzbaren elektronischen Großrechner ENIAC (= Electronic Numerical Integrator and Calculator), dessen Bau im Jahre 1946 seinen Abschluss fand. Mit einem Gewicht von 30 Tonnen und einer Stellfläche von 140 Quadratmetern enthielt die Anlage anstelle herkömmlicher Relais 18.000 Elektronenröhren. Dieser Großrechner konnte in einer Sekunde 5.000 Zahlen addieren. Die Rechengeschwindigkeit von 0,2 Millisekunden war dabei zwei Tausend Mal größer als die der bisherigen Relaisrechner. Der ENIAC besaß eine Speicherkapazität von 20 jeweils 10-stelligen Dualzahlen. Als Datenträger dienten Lochkarten. Nachteilig war beim ENIAC der hohe Zeitaufwand für die zwar veränderbare aber von Hand vorzunehmende Programmeingabe. In einfachster Form enthielt der ENIAC bereits alle wesentlichen Baueinheiten und grundsätzlichen Schaltsysteme, wie sie auch die heutigen Hochgeschwindigkeitsrechner mit ihren miniaturisierten Halbleiterchips aufweisen. Der ENIAC gelangte 1947 erstmals zu einem praktischen Einsatz, als die US-Armee auf dem Übungsgelände von Aberdeen Proving Grounds (Maryland) ballistische Tests durchführte.
Im Jahre 1947 gründeten Eckert und Mauchly die „Eckert-Mauchly Computer Corporation". In dieser Firma sollten Computer in Serienfertigung hergestellt werden. Als weiterentwickelter Digitalrechner entstand 1949 der BINAC (= Binary Automatic Computer), bei dem anstelle der bisherigen Lochkarten als Datenträger Magnetbänder zum Einsatz kamen.
Die „Eckert-Mauchly Computer Corporation“ wurde 1950 von der „Remington Rand Incorporation“ übernommen und mit dieser Gesellschaft vereinigt. Diese Firma ging 1955 in der „Sperry Rand Corporation“ auf. Sowohl bei der „Remington Rand Incorporation“ als auch bei der späteren „Sperry Rand Corporation“ war Mauchly als Direktor für die Forschung und die Entwicklung neuer Computeranlagen eingesetzt.
Nach dem BINAC entwickelten Mauchly und Eckert von 1948 bis 1951 als nächsten Computertyp den UNIVAC I (= Universal Automatic Computer). Dieser mit Magnetbandspeichern ausgerüstete Computer war speziell für die Verarbeitung finanztechnischer Daten entwickelt worden und besaß erstmals einen für kaufmännische Rechenoperationen geeigneten Datenprozessor. Ähnliche Vorteile wies das in Zusammenarbeit mit dem ungarischamerikanischen Mathematiker John Ludwig von Neumann (1903-1957) entwickelte elektronische Computersystem EDVAC (= Electronic Discrete Variable Automatic Computer) auf. Mauchly entwickelte 1957 die „Methode des kritischen Weges" (critical-path), mit der sich schneller Systemlösungen finden lassen. Von ihm stammen eine Reihe von Beiträgen in wissenschaftlichen Zeitschriften und das 1963 erschienene „Industrial Engineering Handbook". Für seine Entwicklungsarbeiten in der Computertechnik wurde Mauchly vielfach geehrt.