Ein österreichischer Postpionier (1804–1879) Zum Gedenken an seinen 200. Geburtstag
Vor 200 Jahren wurde am 29. Juli 1804 vor 200 Jahren in Spodnja Lusa (Slowenien) der österreichische Postpionier Laurenz Koschier (auch als Lovrenc Kosir geführt) geboren. Jahrzehntelang wo bis Ende des 19.-Jahrhunderts ein erbitterter Streit darum, wem rechtens die Priorität der „Erfindung“ der ersten Briefmarke zuerkannt werden müsste. Erste Versuchsmuster zur Einführung von aufklebbaren Freimarken hatte der schwedische Offizier Curry Gabriel Treffenberg (1791–1875) bereits im Jahre 1823 anlässlich einer Zusammenkunft des Schwedischen Reichstages vorgelegt. Ebenso wenig wie Treffenberg war kurz darauf dem Engländer James Chalmers (1782–1853) ein öffentlicher Erfolg beschieden, obwohl ihm im Jahre 1834 die ersten brauchbaren Briefmarkenmuster mit Gummierung gelangen. Es dauerte noch einige Jahre, die mit heftigen Auseinandersetzungen gegen eine Reihe mit törichten Vorurteilen eingenommener britischer Unterhausabgeordneter angefüllt waren, ehe am 10. Januar 1840 das auf Anregung des Postreformers Sir Rowland Hill (1795–1879) geschaffene Penny-Porto-Gesetz in Verbindung mit der erstmaligen Einführung von Briefmarken ab 6. Mai 1840 in Großbritannien in Kraft trat. Unabhängig von allen anderen Bemühungen machte jedoch im gleichen Zeitraum der österreichische „Kaiserlich-Königliche Vice-Staatsbuchhalter“ Laurenz Koschier die „Erfindung“ der Briefmarke für sich geltend. Von bäuerlicher Herkunft stammend begann der sprachbegabte Koschier nach seiner Gymnasialzeit seinen Dienst beim Militärverpflegungssamt Laibach (Ljubljana/Slowenien). Seit dem Jahre 1829 im österreichischen Staatsdienst angestellt, wurde er aufgrund seiner Sprachkenntnisse Ende 1832 als Sachverständiger zur Postkonferenz nach Mailand entsandt. Es wäre denkbar, dass ihm dort erste Gedanken für eine Vereinfachung des damals bestehenden umständlichen Portosystems kamen. Nachweisbar überreichte er im Jahre 1835 der Kaiserlichen Hofkammer in Wien einen Vorschlag zur Vereinfachung des Portosystems und zur Einführung einer Briefmarke. Versehen mit den üblichen Höflichkeitsfloskeln, wurde ihm jedoch von den postalischen Vertretern der Donaumonarchie durch ein Dekret vom 11. Mai 1836 mit dem Aktenzeichen Z 15 965/671 ein abschlägiger Bescheid erteilt. Sein Vorschlag wurde für angeblich undurchführbar gehalten.
Erst im Jahre 1848 zog man Koschiers „Briefpostreformprojekt“ bei der Schaffung der ersten österreichischen Briefmarken, die zwei Jahre später zur Ausgabe gelangten, mit heran. Infolgedessen richtete Koschier im Jahre 1858 unter anderem auch an die sächsische Regierung ein Memorandum, in dem er seinen Prioritätsanspruch auf die „Erfindung“ der Briefmarke geltend machte. Nach Überprüfung dieses Anspruchs durch die Oberpostdirektion Leipzig erhielt er einen positiven Bescheid. Hierdurch ermutigt, richtete nun der von 1858 bis 1871 in Agram (Zagreb/Kroatien) als Vice-Staatsbuchhalter tätige Koschier am 20. September 1874 an den in Bern tagenden ersten Kongress des „Allgemeinen Postvereins“ (ab 1874 „Weltpostverein“) ein Ersuchen, ihm sein Erstrecht zu bestätigen und einige materielle Vorteile zu gewähren. Ohne je eine Antwort erhalten zu haben, verstarb Koschier am 7. August 1879 in Wien. Erst zwei Jahre nach seinem Tode erkannte ein internationaler Schiedsbeschluss gerechterweise James Chalmers das Erstrecht der Schaffung einer Briefmarke und Sir Rowland Hill die Priorität deren erster praktischer Verwendung zu.