Ein britischer Postorganisator (1795–1879) Zum Gedenken an seinen 125. Todestag
Vor 125 Jahren starb am 27. August 1879 in Hampstead (Südengland) der britische Postorganisator Rowland Hill. Er wurde am 3. Dezember 1795 in Kiddeminster (bei Birmingham) geboren. Unverbürgt und daher eine Anekdote ist, wie Hill den Gedanken einer Postreform in Verbindung mit der Einführung von Briefmarken entwickelt haben soll. Demzufolge habe Hill als Achtundzwanzigjähriger während eines Reiseaufenthaltes in einem Gasthof eine Magd beobachtet, die einen an sie gerichteten Brief nicht annahm und demzufolge keine Beförderungsgebühr an den Boten entrichtete. Da sich Hill dieses Verhalten nicht erklären konnte, befragte er die Magd. Von ihr erfuhr er, dass der Absender mit ihr vereinbarte Zeichen auf dem Briefumschlag angebracht hatte. Somit konnte die Empfängerin den Brief ungeöffnet ohne Bezahlung des Portos zurückgeben. Seinem Vater unterstand eine kleine Privatschule in Kiddeminster. Nach sieben Jahren wechselte die Familie nach Birmingham über, da dort Hill Senior eine größere Privatschule übernommen hatte. Inzwischen siebzehn Jahre alt, erhielt Hill eine Anstellung als Lehrer an der väterlichen Schule. Auch nachdem 1822 die Schule nach Tottenham bei London verlegt worden war, blieb er weiterhin im Schuldienst. Aus gesundheitlichen Gründen gab Hill 1833 den Lehrerberuf auf und übernahm im Londoner Kolonialamt eine Stelle als Mitarbeiter der britischen Kommission für Südaustralien. Die kritischen Zeitungsmeldungen über die Mängel im Postwesen, insbesondere das umständliche Portosystem mit den für die Mehrzahl der Briten zu hohen Gebührensätzen, regten ihn zu einer einfacheren Lösung dieser Fragen an. Mit der Kontaktaufnahme zu dem Abgeordneten Robert Wallace im Jahre 1836, der die Mängel im Postwesen in der Presse wiederholt angeprangert hatte, verschaffte sich Hill die notwendigen Informationen.
Zwei Jahre zuvor waren dem Londoner General Post Office (Generalpostamt) die Vorschläge des Parlamentsmitgliedes Samuel Roberts und des Buchhändlers und Zeitungsverlegers Charles Knight hinsichtlich eines Einheits-Pennyportos für Briefe bereits unterbreitet worden. Der postmaster-general (Generalpostmeister) Count of Richmond ließ jedoch diese Vorschläge von 1834 unbeachtet. Im Gegensatz zum Generalpostmeister zeigte sich Hill, seit 1835 Mitglied einer „Kommission zur Abwicklung des Postverkehrs“, an einem neuen Gebührensystem außerordentlich interessiert. Mit seiner 1837 erschienenen historischen Denkschrift „Post Office Reform, its Importance and Practibility“ (Die Wichtigkeit und der Nutzen einer Reform des Postdienstes) gab er den Anstoß zur Einführung des Pennyportos in Großbritannien und zur Ausgabe der ersten Briefmarken. Doch zunächst sah sich Hill nur Anfeindungen ausgesetzt. Selbst der Königlich-Britische Generalpostmeister Count of Lichfield behauptete 1838, Hills Vorschläge seien „die außergewöhnlichsten aller verrückten Erfindungen“. Mit seinem Dienstantritt am 16. September 1839 beim Schatzkanzleramt erhoffte sich der Postreformer eine Unterstützung bei der Durchsetzung seiner Ideen. Doch obwohl Hills Pläne 1839 genehmigt worden waren und am 10. Januar 1840 in Kraft traten, erhob sich in den Verwaltungskreisen ein lang anhaltender starker Widerstand. Die Opposition gegen ihn und seine Pläne war so groß, dass man ihn nicht an die Spitze der Postverwaltung zu setzen wagte. Zwar brachten die Postreform und die Ausgabe der ersten Briefmarken am 6. Mai 1840 viele Erleichterungen, aber infolge des niedrigen Portos kam es zunächst zu einem drastischen Rückgang der eingenommenen Gebühren. Die Schuld für das entstandene Defizit wies man ungerechterweise Hill zu, dem daraufhin am 14. September 1842 seine Anstellung beim Schatzkanzleramt gekündigt wurde. Seine bisher gesammelten Erfahrungen versuchte er daraufhin mit dem Eintritt in das Direktorium der Eisenbahngesellschaft London–Brighton zu nutzen. Erst nachdem 1846 Königin Viktorias (1819–1901; von 1837 bis 1901 Königin von England, seit 1876 Kaiserin von Indien) ein Regierungswechsel stattgefunden hatte, erinnerte sich der neue Generalpostmeister des Postreformers und berief ihn zu seinem persönlichen Sekretär. Im Jahre 1854 zum „dirigierenden Sekretär des Postdepartements“ ernannt, bekleidete Hill dieses hohe Amt bis 1864. Der Anlass für sein eingereichtes Rücktrittsgesuch waren einerseits die unzureichende Unterstützung seitens des Generalpostmeisters bei der weiteren Durchsetzung der Postreform und andererseits eine Reihe von Vorwürfen, dass er Familienmitglieder auf Kosten der Postverwaltung begünstigt hätte. Mit der 1860 vollzogenen Erhebung in den Adelsstand und der Verleihung einer Nationalbelohnung von 20 000 Pfund Sterling fanden die Leistungen des Postreformers eine verdiente Würdigung. Sir Rowland Hill fand seine letzte Ruhestätte in der Londoner Westminsterabtei neben James Watt (1736–1819), dem Erfinder der Dampfmaschine.