Ein schweizerischer Philatelist (1873–1954) Zum Gedenken an seinen 50. Todestag
Vor 50 Jahren starb am 31. August 1954 in seinem Ferienlandhaus in Chêne-Bourg der schweizerische Philatelist Théodore Champion. Er wurde als Sohn eines Bankangestellten am 14. Februar 1873 in Genf geboren. Als Kind begann Champion zuerst mit dem Sortieren von Briefmarken, ehe er eine der bekanntesten Persönlichkeiten der Welt auf diesem Sammelgebiet wurde. Seine Eltern stammten aus dem Kanton Waadt. Die Mutter Louise sammelte aus nicht erklärbaren Gründen die Briefmarken aus dem Posteingang der Bank Galopin, bei der Vater Julien beschäftigt war. Lange Zeit schien sich niemand für diese Marken zu interessieren. Erst sein älterer Bruder kam nach beendetem Studium auf den Gedanken, seine Mittel durch den Verkauf eines Teiles der unter mütterlicher Obhut stehenden Marken aufzubessern. Der Erfolg überstieg seine Erwartungen. Daraufhin bat er seinen Bruder Théodore, ihm gegen ein geringes Entgelt beim Sortieren der Marken zu helfen. Théodore war einverstanden, soweit es ihm seine Ausbildung am Genfer Kolleg erlaubte. Nebenher war Théodore Champion in seinen Jugendjahren ein bekannter Radrennfahrer, wobei er mehrere Male den Titel als Schweizer Meister errang.
Bereits im Jahre 1887 löste Théodore Champion die geschäftlichen Beziehungen zu seinem Bruder auf, um auf eigene Rechnung mit Briefmarken zu handeln. Durch den Wechsel nach Paris im Jahre 1899 versprach sich Théodore Champion eine finanzielle Besserstellung als Angestellter einer Bank. Einige Zeit später verhalfen ihm seine Pariser Freunde, das Briefmarkengeschäft eines Monsieur Forbin zu übernehmen. Nunmehr in philatelistischen Geschäftskreisen bekannt geworden, übertrug ihm 1902 Louis Yvert die Bearbeitung des 1897 begründeten Yvert-Tellier-Kataloges. Diese Aufgabe erfüllte er mit größter Gewissenhaftigkeit noch als Achtzigjähriger. Dank seines außerordentlichen Gedächtnisses wusste er über die Herkunft jeder Marke Bescheid und informierte sich über alle größeren Versteigerungen und Transaktionen. Champion war jedoch nicht nur geschäftlich interessiert, sondern auch ein passionierter Sammler. So besaß er eine hervorragende Generalsammlung postfrischer Marken bis 1914 und war zugleich ein berühmter Ganzsachensammler, der bemerkenswerte Unikate sein eigen nannte. Seine philatelistischen Fähigkeiten führten ihn zu einem vorrangigen Platz im Briefmarkenhandel, so dass er bald auch ein Lieferant und Ratgeber gekrönter Häupter wurde. 1924 stellte er in Brüssel erstmals aus, 1925 gehörte er der Jury der Briefmarkenausstellung in Paris an, 1927 berief ihn der Fürst von Monaco zum Präsidenten des Organisationskomitees der Briefmarkenausstellung von Monaco, 1930 war Champion Präsident der Jury der Briefmarkenausstellung in Antwerpen und 1931 Präsident des Internationalen Kongresses der Briefmarkenhändler in Livorno. 1932 erhielt er den Großen Preis von Bukarest, 1933 den Großen Preis von Wien und 1935 den Großen Preis von Brüssel.
Der Zweite Weltkrieg brachte ihm von 1939 bis 1945 große geschäftliche Schwierigkeiten, insbesondere auch für die Arbeit am Katalog. In jener Zeit war es sehr schwer, die für die Preisfestsetzung notwendigen Informationen aus dem Ausland zu beschaffen. Zudem waren die Angaben oft unvollständig und trafen nur spärlich ein. Anlässlich der Jahrhundertfeier der französischen Briefmarke im Jahre 1949 war Champion Präsident des Komitees. Für sein Mitwirken erhielt er die höchste Auszeichnung der Königlichen Gesellschaft für Philatelie in London. Der rastlose Einsatz im Dienste der Philatelie untergruben leider seine Gesundheit. Nach schwerer Krankheit verstarb Champion vier Tage vor dem Erscheinen seines letzten Katalogs. Für seine Verdienste um die Philatelie wurde Champion mit einer Reihe internationaler Orden und Auszeichnungen geehrt; Frankreich würdigte ihn mit der Ernennung zum Offizier der französischen Ehrenlegion.