Ein deutscher Physiker (1804–1891) Zum Gedenken an seinen 200. Geburtstag
Vor 200 Jahren wurde am 24. Oktober 1804 in der Lutherstadt Wittenberg der deutsche Physiker Wilhelm Eduard Weber geboren. Bei der Aufgabe eines Telegramms wird sich wohl kaum jemand daran erinnern, dass die wissenschaftlichen Voraussetzungen dafür im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts auch mit von Wilhelm Eduard Weber geschaffen wurden. Webers Vater lehrte als Theologieprofessor an der Universität in Wittenberg. Zunächst besuchte Wilhelm Eduard das Pädagogium der Franckeschen Stiftungen in Halle. In Fortsetzung der Tradition seines Elternhauses studierte Weber seit 1822 Mathematik an der Universität in Halle. Ergänzend dazu befasste er sich anfangs vorrangig mit akustischen Aufgaben. Dank seines großen Studienfleißes veröffentlichte er bereits 1823 eine gemeinsam mit seinem älteren Bruder, dem Anatomen und Physiologen Ernst Heinrich Weber (1795–1878), verfasste Abhandlung einer „Wellenlehre, auf Experimente gegründet“. Nachdem Weber im Jahre 1826 an der Universität Halle promoviert hatte, wirkte er dort von 1828 an als außerordentlicher Professor mit eigenem Lehrstuhl. Der von Weber schon frühzeitig erworbene gute wissenschaftliche Ruf veranlasste den Mathematiker und Astronomen Carl Friedrich Gauß (1777–1855), den jungen Professor im Jahre 1831 an die Universität Göttingen zu berufen. Im Zuge ihrer erfolgreichen engen Zusammenarbeit befassten sich beide Wissenschaftler vorrangig mit erdmagnetischen Messungen. Dabei waren Weber im Physikalischen Kabinett und Gauß in der rund einen Kilometer entfernten Sternwarte tätig. Unter maßgeblicher Beteiligung von Weber entstand daher zwecks schnelleren Austausches ihrer Messergebnisse im Jahre 1833 die erste brauchbare elektromagnetische Telegrafenlinie der Welt. Der über die Dächer Göttingens hinweg oberirdisch geführte Leitungsweg bestand aus zwei Millimeter bis drei Millimeter dicken blanken Kupfer- und Eisendrähten. Wenn an dem einen Leitungsende Weber den Strom in der einen oder der anderen Richtung mit unterschiedlicher Häufigkeit in den Leitungsweg schickte, so konnte Gauß am anderen Ende das Ausschlagen einer Magnetnadel beobachten. Ein weiterer Erfolg in der wissenschaftlichen Arbeit Webers war im Jahre 1835 die von ihm entdeckte „Elastische Nachwirkung“ (Veränderung des Deformationszustandes eines Körpers bei unverändertem Spannungszustand). Aufbauend auf seine Forschungen veröffentlichte er 1836 gemeinsam mit seinem etwas jüngeren Bruder, dem Anatomen Eduard Friedrich Weber (1806–1871), das wissenschaftliche Werk „Mechanik der menschlichen Gehwerkzeuge“. Auch auf politischem Gebiet zeigte Weber eine mutige Haltung; war er doch einer der „Göttinger Sieben“, die dem König von Hannover wegen dessen antidemokratischer Haltung den Huldigungseid verweigerten. Als „Königliche Antwort“ wurde Weber daher im Jahre 1837 trotz seiner wissenschaftlichen Leistungen seines Amtes enthoben. Um weiteren Anfeindungen zu entgehen, verließ Weber im Jahre 1843 Göttingen und folgte einer Berufung an die Universität Leipzig. In der Annahme, dass sich nach der Bürgerlichen Revolution von 1848 in Göttingen die politischen Verhältnisse gebessert hätten, kehrte Weber im Jahre 1849 in seine alte Universitätsstadt zurück, um die dort einstmals begonnenen Arbeiten auf dem Gebiet der Elektrodynamik fortzusetzen. Insbesondere für diesen Bereich schuf er während seiner späteren Zusammenarbeit mit dem deutschen Physiker Wilhelm Georg Kohlrausch (1840–1910) eine Reihe von Grundlagen für das heutige internationale Maßeinheitensystem. Ebenfalls beachtenswert ist, dass Weber viele Messinstrumente für seine magnetischen und elektrischen Messungen selbst konstruierte. Von ihm stammen beispielsweise das Inklinationsinduktorium für Induktionsmessungen im erdmagnetischen Feld (1837), das Elektrodynamometer zur Messung der Kraftwirkung zwischen zwei parallelen Leitern (1840; 1846 verbessert) sowie das Spiegelgalvanometer zum Messen von Ladungseinheiten im elektrodynamischen und elektrostatischen Maßsystem (1846; 1852 verbessert).
Nach seinem für die Wissenschaft so bedeutungsvollen Wirken verstarb Wilhelm Eduard Weber am 23. Juni 1891 in Göttingen. In Würdigung seiner Leistungen wurde für den magnetischen Fluss (F) die Maßeinheit Weber (Wb) international festgelegt. Seine Geburtsstadt würdigte seine Verdienste mit einem steinernen Porträtrelief, welches um die Jahrhundertwende an der Südseite des Wittenberger Postamtes angebracht wurde.