Schon die Gründer der „Gesellschaft zur Erforschung der bayerischen Postgeschichte“ denken an eine Vereinstätigkeit, die regional über Bayerns Grenzen hinausreicht. Im März 1922 fordert Karl Stingl als Geschäftsführer der bayerischen Gesellschaft in einem Schreiben an sämtliche Oberpostdirektionen dazu auf, in jedem Postverwaltungsbezirk einen Referenten für die Erforschung der regionalen Postge- schichte abzustellen. Inwieweit dieser Aufruf zu Reaktionen führt, ist heute nicht mehr auszumachen. Umfassend realisiert werden seine Ideen aber erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1949 mit der Gründung der „Gesellschaft für Deutsche Postgeschichte“.
Den unmittelbaren Anstoß für die Gründung dieser deutschlandweit aktiven Gesellschaft gibt der stellvertretende Direktor der damaligen Hauptverwaltung für das Post- und Fernmeldewesen des vereinigten Wirtschaftsgebiets (HVPF), Zaubitzer. In einem Schreiben an alle Oberpostdirektionen im Februar 1949 regt er die Einrichtung eines Vereins an, um alle Freunde der Postgeschichte und Postgeschichtsforscher und -schreiber zusammenzuschließen und die Erforschung der Postgeschichte neu zu beleben.
Bereits in diesem ersten Aufruf setzt Zaubitzer das Fundament für die institutionelle Anbindung, die den Verein mit der Deutschen Bundespost von Beginn an verknüpft. Er verortet die Postgeschichts- forschung innerhalb der Institution Post, wenn er schreibt, dass eine erfolgreiche Forschung aus der Initiative der Beamtenkreise entspringe und die Postgeschichte ihre besten Förderer in den Ange- hörigen der Deutschen Post finde.
Diese Ideen werden auf einer posthistorischen Tagung vom 21. bis 23. Juni 1949 in Miltenberg konkretisiert. Unter den 27 Teilnehmern sind 25 Vertreter der HVPF und der Oberpostdirektionen (OPD) sowie zwei Vertreter der Gesellschaft zur Erforschung der Postgeschichte in Bayern. Nicht wenige von Ihnen sind posthistorisch „vorbelastet“ und haben sich schon vor dem Krieg mit Forschungsarbeiten zur Postgeschichte hervorgetan. Neben Konrad Schwarz zum Beispiel, der Die Entwicklung der Deutschen Post (1931) verfasste, nimmt auch Karl Sautter an der Tagung teil. Seine Geschichte der Deutschen Post, deren erster Band 1928 erschien, ist ein Grundlagenwerk zur Postgeschichte.
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Originales Grußtelegramm, das Dr. Heinrich Hartmann, ehemaliger Präsident der OPD Hamburg, zur Eröffnung der posthistorischen Tagung nach Miltenberg schickte (© DGPT)
Am letzten Tag der Veranstaltung wird die Einrichtung der „Gesellschaft für Deutsche Postgeschichte“ beschlossen. Als Dachorganisation soll sie der Zusammenfassung regionaler Bezirksgruppen dienen, die sich an den Verwaltungsbereichen der Oberpostdirektionen orientieren. Schon jetzt wird eine eigene Zeitschrift als zweites Standbein der Vereinstätigkeit formuliert. Sie erscheint erstmals 1953 als „Archiv für Deutsche Postgeschichte“.
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Bericht aus dem Bote vom Untermain, 25.06.1949
Obwohl der Verein mit Wirkung zum 1. August 1949 in Miltenberg gegründet wird, stellt man die offizielle Gründung im Wissen der bevorstehenden Bildung der Deutschen Bundespost zurück. Knapp zwei Monate nach dem Startschuss der Deutschen Bundespost wird am 30. Mai 1950 auf einer erneuten Gründungsversammlung die Vereinsgeburt mit Wirkung zum 1. Juli 1950 besiegelt und ein neues Gründungsprotokoll dem Frankfurter Amtsgericht vorgelegt. Die Eintragung ins Vereinsregister erfolgt schließlich am 22. Februar 1951.