Inh.: Zwischen 1816 und 1914 wanderten mehr als 5,5, Millionen Deutsche nach Amerika aus. Auswandererbriefe erzählen von der Hoffnung und der Wirklichkeit, 10 Abb., Literaturverz.
„Hierdurch die Mitteilung, dass wir hier gut ankamen. Es wurden am Donnerstag 3 Wochen, da wir von zu Hause weg waren. Dies war wohl eine lange Zeit, aber wir hatten das Schiff zu schlecht…“ So oder ähnlich lesen sich viele Auswandererbriefe aus dem 19. Jahrhundert von Deutschen, die ihr bisheriges Leben hinter sich ließen und oft nur mit einem Koffer als Gepäck ins ferne Amerika und in eine ungewisse Zukunft aufbrachen. Wer waren diese Leute? Warum haben Sie Europa verlassen? Mit welchen Hoffnungen, Erwartungen und Befürchtungen kamen sie nach Amerika? Antworten auf diese Fragen geben die überlieferten Briefe, die die Auswanderer in die Heimat schrieben.
Deutsche Auswanderungen in die USA – ein Überblick
Deutschland war bis in die 1950er-Jahre im Gegensatz zu heute ein Auswanderungsland. Alleine zwischen 1816 und 1914
fassten über fünfeinhalb Millionen Deutsche den Entschluss, nach Amerika auszuwandern. Ihren Höhepunkt erreichte die Auswandererwelle im Jahr 1882: 250 000 Deutsche verließen die alte Heimat
mit dem Ziel „Neue Welt“. Wirtschaftliche Not, politische Repressalien und religiöse Verfolgung waren die wichtigsten Auslöser des Exodus. Wirft man einen Blick in die Geschichte deutscher
Familien, so findet sich fast immer jemand, der einst beschloss, sein Glück in der Ferne zu suchen. Das beliebteste Ziel: die Vereinigten Staaten von Amerika.
Anfänge der deutschen Auswanderung nach Amerika liegen bereits in der Kolonialzeit. Die erste größere Gruppe waren im Jahre 1683 Krefelder Bürger, die Germantown in Pennsylvania gründeten. 100 000 Landsleute folgten in den nächsten 100 Jahren. Bereits zur ersten Volkszählung 1790 war ein Zwölftel der amerikanischen Bevölkerung deutscher Abstammung. Das Hungerjahr 1817 löste eine neue große Auswanderungswelle aus, vornehmlich aus dem Südwesten Deutschlands. Von nun an kann man von einer Massenbewegung sprechen. Rund fünf Millionen im 19. Jahrhundert – eine enorme Zahl, wenn man bedenkt, dass das spätere deutsche Reich 1816 erst 24 Millionen und 43 Millionen Einwohner im Jahr 1875 hatte. Auch für die USA fielen diese Einwanderungszahlen ins Gewicht, lebten doch dort 1820 erst zehn Millionen und 1870 40 Millionen Menschen. Die Vorrangstellung Südwestdeutschlands – sowohl zeitlich als auch in Bezug auf die Auswanderungsintensität – hat mehrere Gründe. Wichtigster Grund waren die lokalen Wirtschaftsbedingungen: die Parzellierung des Bodens durch den vorherrschenden Erbbrauch (Realteilung = Aufteilung des Erbes unter den Kindern), Niedergang des Heimgewerbes im Zuge der Industrialisierung und Missernten im Weinbau. Ein weiterer Grund waren die guten Verkehrsanbindungen über den Rhein zu den Auswanderungshäfen an der Nordsee. (...)