DGPT - Deutsche Gesellschaft für Post- und Telekommunikationsgeschichte E.V.

Die Kunst zu Faxen

von Cornelia Göksu
S. 48

Inh.: Knappe historische Ausführungen zum Telefax, das die Deutsche Bundespost am 1. Januar 1979 als neuen Dienst einführte, 16 Abb.

Am 1. Januar 1979 führte die Deutsche Bundespost den Teilnehmerdienst Telefax als Ableger der Bildtelegrafie ein. Zuschriften, Kochrezepte, Protestnoten, Liebesbotschaften, Karikaturen oder Kunstwerke fanden in Sekundenschnelle ihre Empfänger. Das Fernkopieren, bis in die 90er-Jahre schnellste populäre Verbindung von Bild und Text in alle Welt, wirkt heute beinahe altertümlich neben der E-Mail. Im Zeitalter des lichtbeständigen Normalpapier-Einzelblatteinzugs verbreitet der verblasste Reiz des Rollenfaxens ein sinnliches Vergnügen.

1809 war der erste elektrische Telegraf von dem Münchener Mediziner, Physiker und Naturforscher Samuel Thomas Sömmerring der Öffentlichkeit vorgeführt worden. Diese Pionierleistung löste eine rege Erfindertätigkeit aus. Der Amerikaner Samuel Morse (1791–1872) war zunächst Buchhändler, wurde Professor für Malerei und Bildhauerei sowie Gründer einer Kunstakademie in New York – ehe ihn sein 1833 gebauter elektromagnetischer Schreibtelegraf weltberühmt machte. Am 4. September 1837 führte er den Apparat erfolgreich Freunden vor; seinen Sender hatte der Erfinder an seiner Malerstaffelei befestigt. 1844 war die Sensation perfekt: Das erste Telegramm wurde erfolgreich zwischen Baltimore und Washington versandt und empfangen. Aus der Technologie der elektrischen Telegrafie entwickelte sich stufenweise die Technik des Telefaxens. Allerdings beschränkte sich das Wesen dieser frühen elektrischen Telegrafen (zu griechisch tele = fern, weit und graphein = schreiben) noch auf die Übertragung von Stromimpulsen, die dazu benutzt wurden, konkret vereinbarte Zeichen am Empfangsort hörbar und sichtbar zu machen oder sie niederzuschreiben. Anders bei den so genannten Faksimiletelegrafen (Faksimile von lateinisch: facere = machen und simile = ähnlich): Sie hatten die Aufgabe, das Original einer beliebigen Vorlage so abzutasten und zu übertragen, dass auf der Empfangsseite eine weitgehend originalgetreue Kopie erzeugt werden konnte. An der Bildübertragung versuchten sich zwischen 1850 und 1900 zahlreiche Erfinder mit ganz unterschiedlichen Lösungsvorschlägen und Methoden, auf elektrochemischem und elektromechanischem Wege. Doch keiner erzielte den gewünschten Erfolg.

Zwischen Klopfzeichen und Bild

Eine aufschlussreiche und detaillierte Chronologie zur spannenden technischen Entwicklungsgeschichte des Bildkopierens lieferten Rolf Barnekow und Manfred Bernhardt 1995 in ihrem Aufsatz: Die Vorläufer der Telefaxgeräte (Post- und Telekommunikationsgeschichte, 1/1995). Als Wegbereiter gilt der schottische Mechaniker und Uhrmacher Alexander Bain. Er konstruierte eine elektrische Uhr, kombinierte diese Mechanik mit der Telegrafietechnologie von Morse und erfand auf diese Weise den ersten Kopiertelegrafen, der ihm 1843 in England patentiert wurde. (...)